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Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ)
Band 49, Heft 1 Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ) Band 49, Heft 1
Autor: Hrsg von J. Callmer und R. Struwe | Erscheinungsjahr: 2008
6 Beiträge zum Stand der Forschung, , zahlr. Abb. in SW
Inhalt:
M. Porr: Grenzwissenschaft: Ethnoarchäologie und die Ursprünge der modernen Kognition - L. R. Owen & G. E. Owen Jr.: From archaeological finds to prehistoric life - S. Schreiber: Das keltische Oppidum zwischen „Protostadt“ und „Stadt“? Zum Stadtbegriff in der Späten Eisenzeit am Beispiel Manchings - R. Bräunig Ein kaiserzeitliches Grubenhaus mit Belegen für Buntmetallverarbeitung und römischen Kleinfunden aus Dornswalde, Lkr. Teltow-Fläming - F. Biermann, A. Kieseler & D. Nowakowski Neue Forschungen am Burgwall Kleinitz (Klenica, pow. zielonogórski) in Niederschlesien, Polen. Ein Vorbericht - Diskussion: G. Civis: Gender, Alter, Herkunft? Drei Modelle zur Interpretation der sozialen Struktur des Gräberfeldes Vikletice - Rezensionen und Annotationen ### Zusammernfassungen ### Grenzwissenschaft: Ethnoarchäologie und die Ursprünge der modernen Kognition von Martin Porr (Crawley): Es sollen die möglichen Beiträge von ethnoarchäologischen Ansätzen zum Verständnis der Ursprünge der modernen Kognition diskutiert werden. Die Potentiale der Ethnoarchäologie werden dabei innerhalb des allgemeinen Felds der archäologischen Interpretation gesehen. Aus dieser Position ergibt sich, dass Ethnoarchäologie als eine theoriengeleitete vergleichende Kulturwissenschaft verstanden werden sollte. In diesem Sinne kann sie auch eine wichtige Rolle bei der Untersuchung der Ursprünge der modernen Kognition spielen, indem sie sich auf Grundlagenforschungen zu den dynamischen Zusammenhängen zwischen Handlungen, sozialisierten Individuen und materiellen Bedingungen konzentriert. Als ein mögliches konkretes Forschungsfeld wird in diesem Beitrag die vergleichende Untersuchung von sozialen Lernprozessen angeregt. ### From archaeological finds to prehistoric life von Linda R. Owen (Tübingen) & Gerald E. Owen Jr. (Mount Dora, Florida): Vom archäologischen Befund zum prähistorischen Leben. Die beiden folgenden Beiträge – „Verwenden von Ethnoarchäologie zum Überbrücken der Kluft“ (L. R. O.) und „Die Geschichte vollenden. Die Rekonstruktion urgeschichtlicher Technologien mit Hilfe von Ethnoarchäologie“ (G. E. O.) – beschreiben, wie wir Ethnoarchäologie verwenden, um das Leben eines Heranwachsenden und seiner Familie in der Zeit des Magdalenien darzustellen. Durch die Verbindung ethnographischer Kenntnisse zu rezenten Jäger-Sammler-Gruppen mit archäologisch gewonnenen Informationen haben wir versucht, prähistorische Menschen und ihre Handlungen in Form einer Erzählung für Kinder sichtbar zu machen. Im ersten Teil wird diskutiert, auf welche Weise soziale Aspekte wie Alter und Geschlecht ermittelt und in die Geschichte eingebunden werden. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Rekonstruktion urgeschichtlicher materieller Kultur und Technologie, indem insbesondere die vorliegenden Belege zum Fischfang beleuchtet werden. ### Das keltische Oppidum zwischen „Protostadt“ und „Stadt“? Zum Stadtbegriff in der Späten Eisenzeit am Beispiel Manchings von Stefan Schreiber (Berlin): Die Begriffe Stadt, bzw. Protostadt werden in der Archäologie auf eine Vielzahl verschiedener Siedlungserscheinungen angewandt. Die keltischen Oppida bilden in diesem Zusammenhang keine Ausnahme. Im vorliegenden Beitrag werden die historischen und archäologischen Definitionen des Stadtbegriffs näher untersucht. Es werden mono- und polythetische Begriffsbildungen gegenübergestellt und strukturell-analytische Alternativen durch Verwendung des Begriffs Zentralort angeboten. Dazu werden die Oppida im Allgemeinen und das Oppidum Manching im Speziellen untersucht. Durch Vergleiche der verschiedenen Siedlungssysteme der Späten Eisenzeit in Mitteleuropa werden Aussagen bezüglich der Reichweite des Stadtbegriffs getroffen. Im Anschluss daran wird vorgeschlagen, sich für die keltischen Oppida vom Stadtbegriff gänzlich zu lösen und stattdessen auf Begriffe, basierend auf dem Zentralort-Modell zurückzugreifen. ### Ein kaiserzeitliches Grubenhaus mit Belegen für Buntmetallverarbeitung und römischen Kleinfunden aus Dornswalde, Lkr. Teltow-Fläming von René Bräunig (Berlin): Bei archäologischen Untersuchungen nahe Dornswalde wurde der randliche Bereich eines Siedlungsplatzes der römischen Kaiserzeit erfasst. Dabei konnte in der Verfüllung eines Grubenhauses vom Sechs-Pfosten-Typ ein römisches Importstück geborgen werden, das innerhalb des Barbaricums keine Parallele findet. Das römische Klappmesser aus Bronze mit eiserner Klinge sollte offenbar vor Ort umgearbeitet werden. Der Fundort vervollständigt eine erst in den letzten Jahren entdeckte germanische Siedlungskammer um eine Siedlung von erheblicher Bedeutung. ### Neue Forschungen am Burgwall Kleinitz (Klenica, pow. zielonogórski) in Niederschlesien, Polen. Ein Vorbericht von Felix Biermann (Berlin), Andreas Kieseler (Greifswald) & Dominik Nowakowski (Wroclaw): Der forschungsgeschichtlich wichtige frühmittelalterliche Burgwall von Kleinitz (Klenica) in Niederschlesien, der 1936 erstmals ausgegraben und seitdem immer wieder für die Datierung und kulturhistorische Interpretation der Frühgeschichte im westslawischen Raum eine große Rolle gespielt hat, konnte im Jahre 2007 erneut untersucht werden. Entgegen älterer Vermutungen erwies er sich dabei als Befestigung des späten 9. Jh. und frühen 10. Jh. Überdies lieferte er interessante Haus- und Befestigungsbefunde, ein Schädelopfer und diverse bemerkenswerte Kleinfunde. Der Beitrag gibt einen ersten Überblick zu den Befunden und Funden der Ausgrabung von 2007, erläutert die forschungsgeschichtliche Relevanz – insbesondere im Hinblick auf die Kulturgruppe Tornow-Klenica – und versucht eine Interpretation des Burgwalls vor dem Hintergrund der politisch-wirtschaftlichen Verhältnisse im mittelslawischen niederschlesischen Gebiet. ### Gender, Alter, Herkunft? Drei Modelle zur Interpretation der sozialen Struktur des Gräberfeldes Vikletice von Greta Civis (Berlin): Die schnurkeramische Bestattungssitte zeichnet sich durch einen strengen Geschlechtsdimorphismus aus. Vereinzelt sind Ausnahmebestattungen – anthropologische Männer, die wie Frauen bestattet sind – dokumentiert. Das tschechische Gräberfeld Vikletice bietet eine exzellente Datenbasis um drei verschiedene Modelle zur Interpretation dieses Phänomens zu prüfen. Diskutiert werden Wiermanns Geschlechtswechsel-Modell, eine Deutung der Bestattungen als Niederschlag eines Initiationszyklus’ sowie eine Deutung, welche uxorilokale (matrifokale) Exogamie voraussetzt. Aus den Modellen werden Aussagen über die Struktur der Gemeinschaft von Vikletice gewonnen, wesentliches Gewicht wird auf ihre Überprüfbarkeit gelegt. Hierbei zeigt das uxorilokale Modell, das die Herkunft als gestaltenden Faktor der Bestattung angibt, eine klare Überlegenheit. Eine Verknüpfung der Ansätze ist möglich, jedoch nicht nötig.
Besonderheiten:
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Bestellnr.: 2-36-49-1
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