Band 46, Heft 3

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Abhandlungen: I. Beilke-Voigt Moorleichen. Die schwierige Deutung einer archäologischen Fundgruppe – F. Biermann Die Eldenburg – ein Schloss des späten 16. Jahrhunderts in der Prignitz – G. Schifko Die mokomokai im Spiegel von Jules Vernes Werken. Eine Untersuchung zur europäischen Rezeption der mumifizierten Menschenköpfe aus Neuseeland – A. Leube Zur Geschichte der Prähistorie an der Friedrich-Wilhelms-Universität und späteren Humboldt-Universität zu Berlin. Die Jahre 1902–2004 – Rezensionen und Annotationen ### Zusammenfassungen ### Moorleichen. Die schwierige Deutung einer archäologischen Fundgruppe von Ines Beilke-Voigt (Berlin): Moorleichen stehen nicht nur in Fachkreisen immer wieder im Interesse der Forschung, sondern faszinieren auch die breite Öffentlichkeit und sichern hohe Besucherzahlen für die Museen. Ihre Faszination und Anziehung liegt wahrscheinlich darin begründet, dass uns mit ihnen nicht die sonst üblichen Sachzeugnisse der Vergangenheit überliefert sind, sondern wir den damaligen Menschen direkt gegenüberstehen. Sie bieten uns eine besondere archäologische Quelle, die unter den normalen Fundumständen für bestattete Personen auf Gräberfeldern nicht zu erschließen ist. Wir erhalten detailgetreuen Einblick in die Tracht der jeweiligen Zeit und anhand der Kleidungsreste können Gewebetechniken, Einfärbungen und Verzierungen der Gewänder untersucht werden. Ebenso sind uns Haar- und Barttracht der damaligen Menschen überliefert. Wir erfahren zudem, welche Nahrung sie zu sich genommen haben, an welchen Krankheiten sie litten oder welche Verletzungen sie trugen. Dennoch geben sie uns die größten Rätsel auf. Moorleichen sind bis heute eine der viel diskutiertesten Fundgruppen in unserem Fach. Ihre Deutung ist bislang nicht eindeutig und zufrieden stellend geklärt und mit einer Vielzahl an Fragen verbunden: Handelt es sich um Menschenopfer für eine Gottheit? Sind es Personen, die mit Versenkungen im Moor bestraft wurden, weil sie sich eines Vergehens oder eines Verbrechens schuldig gemacht haben? Wollte man vielleicht Überfallene oder Mordopfer hier heimlich entsorgen oder sind es einfach im Moor Verunglückte? Es gibt eine Vielzahl an Deutungsansätzen und Argumenten, die die eine oder andere Interpretation unterstützen können. Dennoch gibt es letztendlich keine monokausale Erklärung für die Deutung der Funde. ### Die Eldenburg – ein Schloss des späten 16. Jahrhunderts in der Prignitz von Felix Biermann (Greifswald): Gegenstand dieses Artikels ist die Eldenburg in der Prignitz, vormals eines der schönsten Renaissanceschlösser der ganzen Region. Als zeitweiliger Sitz der vor allem im frühen 15. Jh. mächtigen Familie von Quitzow besaß sie nicht geringe historische Bedeutung. Das Schloss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Archäologische Untersuchungen im Jahre 2005, historische Quellen und alte Abbildungen gewähren jedoch einige Informationen über das Schloss, das nach schriftlichen Quellen, architektonischen Merkmalen und einem Jahrringdatum (um/nach 1598) im letzten Viertel des 16. Jh. durch Philipp von Quitzow errichtet wurde. Der rechteckige Baukomplex mit einem sehr hohen Hauptturm, dem kleinen sog. „Quitzowturm“, einer großen Scheune und starken Mauern stand auf einem von Gräben umfassten Hügel. Ein mittelalterlicher Vorgänger bestand am Orte nicht. Das Schloss war vor allem ein repräsentativer und komfortabler Wohnsitz der Adelsfamilie. Das Bauwerk besaß jedoch auch noch einen begrenzten Verteidigungswert, wie es für Adelssitze jener Zeit charakteristisch ist. Besonderes Interesse gilt dem sog. „Quitzowstuhl“ bzw. der „Judenklemme“, einer erhaltenen Fesselvorrichtung, die im Mittelpunkt einer bekannten Sage steht. ### Die mokomokai im Spiegel von Jules Vernes Werken. Eine Untersuchung zur europäischen Rezeption der mumifizierten Menschenköpfe aus Neuseeland von Georg Schifko (Wien): In der vorliegenden Arbeit wird Jules Vernes Darstellung der mokomokai von einem ethnologischen Standpunkt aus betrachtet. Ebenso wird die Funktion der mokomokai im Lichte von Jules Vernes Bemühungen diskutiert, Spektakuläres in seine Werke einbringen zu können. Jules Verne gelingt es, durch seine Informationen zum Wesen und vor allem zur Bedeutung der konservierten Köpfe, den kulturellen Überbau, in dem die mokomokai eingebettet sind, transparent zu machen. Hierdurch wird dem Leser eine differenzierte Betrachtung dieses kulturellen Phänomens ermöglicht. ### 100 Jahre Prähistorie an der Friedrich-Wilhelms-Universität und der späteren Humboldt-Universität zu Berlin von Achim Leube (Berlin): Dargestellt wird die Geschichte des Seminars bzw. Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte der Berliner Friedrich-Wilhelms- bzw. der Humboldt-Universität (seit 1949) im Zeitraum von 1902–2004. Schwerpunkt dieses Überblicks bilden die universitären und wissenschaftlichen Leistungen der jeweiligen Professoren und Dozenten. Dabei ist der Zeitraum bis 1945 bewusst ausführlicher behandelt worden. Deutlich wird die besondere Stellung, die diese universitäre Einrichtung nicht nur in Deutschland, sondern auch in Mitteleuropa einnahm. Das beginnt bereits mit der frühen und damit ersten Gründung einer planmäßigen außerordentlichen Professur für deutsche Archäologie 1902 unter Gustaf Kossinna und reicht bis zur Neugründung 1954 unter Karl-Heinz Otto. Aus der besonderen Position Berlins und damit seiner Universität als zentraler Ort in Deutschland erklärt sich auch eine besondere Neigung verschiedener Lehrstuhlinhaber zum politischen Gebrauch bzw. Missbrauch des Faches Ur- und Frühgeschichte. Dennoch zeigt sich, dass in fast allen Zeitphasen die studentische Ausbildung und die Repräsentanz der Lehrstuhlinhaber, Honorar-Professoren und Dozenten eine bemerkenswerte Reputation besaßen.

Gewicht 250 g
Bestellnr

2-36-46-3

Produktgruppe

Verkaufsprogramm

Reihe

Zeitschrift/Reihen

Hauptgruppe

Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ)

Untergruppe
ISBN
KurzbezTitel

Band 46, Heft 3

Autor

Hrsg von J. Callmer und R. Struwe

Erscheinungsjahr

2005

TechnischeAbgaben

Beiträge zum Stand der Forschung, zahlr. Abb. in SW

Inhalt

Abhandlungen: I. Beilke-Voigt Moorleichen. Die schwierige Deutung einer archäologischen Fundgruppe – F. Biermann Die Eldenburg – ein Schloss des späten 16. Jahrhunderts in der Prignitz – G. Schifko Die mokomokai im Spiegel von Jules Vernes Werken. Eine Untersuchung zur europäischen Rezeption der mumifizierten Menschenköpfe aus Neuseeland – A. Leube Zur Geschichte der Prähistorie an der Friedrich-Wilhelms-Universität und späteren Humboldt-Universität zu Berlin. Die Jahre 1902–2004 – Rezensionen und Annotationen ### Zusammenfassungen ### Moorleichen. Die schwierige Deutung einer archäologischen Fundgruppe von Ines Beilke-Voigt (Berlin): Moorleichen stehen nicht nur in Fachkreisen immer wieder im Interesse der Forschung, sondern faszinieren auch die breite Öffentlichkeit und sichern hohe Besucherzahlen für die Museen. Ihre Faszination und Anziehung liegt wahrscheinlich darin begründet, dass uns mit ihnen nicht die sonst üblichen Sachzeugnisse der Vergangenheit überliefert sind, sondern wir den damaligen Menschen direkt gegenüberstehen. Sie bieten uns eine besondere archäologische Quelle, die unter den normalen Fundumständen für bestattete Personen auf Gräberfeldern nicht zu erschließen ist. Wir erhalten detailgetreuen Einblick in die Tracht der jeweiligen Zeit und anhand der Kleidungsreste können Gewebetechniken, Einfärbungen und Verzierungen der Gewänder untersucht werden. Ebenso sind uns Haar- und Barttracht der damaligen Menschen überliefert. Wir erfahren zudem, welche Nahrung sie zu sich genommen haben, an welchen Krankheiten sie litten oder welche Verletzungen sie trugen. Dennoch geben sie uns die größten Rätsel auf. Moorleichen sind bis heute eine der viel diskutiertesten Fundgruppen in unserem Fach. Ihre Deutung ist bislang nicht eindeutig und zufrieden stellend geklärt und mit einer Vielzahl an Fragen verbunden: Handelt es sich um Menschenopfer für eine Gottheit? Sind es Personen, die mit Versenkungen im Moor bestraft wurden, weil sie sich eines Vergehens oder eines Verbrechens schuldig gemacht haben? Wollte man vielleicht Überfallene oder Mordopfer hier heimlich entsorgen oder sind es einfach im Moor Verunglückte? Es gibt eine Vielzahl an Deutungsansätzen und Argumenten, die die eine oder andere Interpretation unterstützen können. Dennoch gibt es letztendlich keine monokausale Erklärung für die Deutung der Funde. ### Die Eldenburg – ein Schloss des späten 16. Jahrhunderts in der Prignitz von Felix Biermann (Greifswald): Gegenstand dieses Artikels ist die Eldenburg in der Prignitz, vormals eines der schönsten Renaissanceschlösser der ganzen Region. Als zeitweiliger Sitz der vor allem im frühen 15. Jh. mächtigen Familie von Quitzow besaß sie nicht geringe historische Bedeutung. Das Schloss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Archäologische Untersuchungen im Jahre 2005, historische Quellen und alte Abbildungen gewähren jedoch einige Informationen über das Schloss, das nach schriftlichen Quellen, architektonischen Merkmalen und einem Jahrringdatum (um/nach 1598) im letzten Viertel des 16. Jh. durch Philipp von Quitzow errichtet wurde. Der rechteckige Baukomplex mit einem sehr hohen Hauptturm, dem kleinen sog. „Quitzowturm“, einer großen Scheune und starken Mauern stand auf einem von Gräben umfassten Hügel. Ein mittelalterlicher Vorgänger bestand am Orte nicht. Das Schloss war vor allem ein repräsentativer und komfortabler Wohnsitz der Adelsfamilie. Das Bauwerk besaß jedoch auch noch einen begrenzten Verteidigungswert, wie es für Adelssitze jener Zeit charakteristisch ist. Besonderes Interesse gilt dem sog. „Quitzowstuhl“ bzw. der „Judenklemme“, einer erhaltenen Fesselvorrichtung, die im Mittelpunkt einer bekannten Sage steht. ### Die mokomokai im Spiegel von Jules Vernes Werken. Eine Untersuchung zur europäischen Rezeption der mumifizierten Menschenköpfe aus Neuseeland von Georg Schifko (Wien): In der vorliegenden Arbeit wird Jules Vernes Darstellung der mokomokai von einem ethnologischen Standpunkt aus betrachtet. Ebenso wird die Funktion der mokomokai im Lichte von Jules Vernes Bemühungen diskutiert, Spektakuläres in seine Werke einbringen zu können. Jules Verne gelingt es, durch seine Informationen zum Wesen und vor allem zur Bedeutung der konservierten Köpfe, den kulturellen Überbau, in dem die mokomokai eingebettet sind, transparent zu machen. Hierdurch wird dem Leser eine differenzierte Betrachtung dieses kulturellen Phänomens ermöglicht. ### 100 Jahre Prähistorie an der Friedrich-Wilhelms-Universität und der späteren Humboldt-Universität zu Berlin von Achim Leube (Berlin): Dargestellt wird die Geschichte des Seminars bzw. Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte der Berliner Friedrich-Wilhelms- bzw. der Humboldt-Universität (seit 1949) im Zeitraum von 1902–2004. Schwerpunkt dieses Überblicks bilden die universitären und wissenschaftlichen Leistungen der jeweiligen Professoren und Dozenten. Dabei ist der Zeitraum bis 1945 bewusst ausführlicher behandelt worden. Deutlich wird die besondere Stellung, die diese universitäre Einrichtung nicht nur in Deutschland, sondern auch in Mitteleuropa einnahm. Das beginnt bereits mit der frühen und damit ersten Gründung einer planmäßigen außerordentlichen Professur für deutsche Archäologie 1902 unter Gustaf Kossinna und reicht bis zur Neugründung 1954 unter Karl-Heinz Otto. Aus der besonderen Position Berlins und damit seiner Universität als zentraler Ort in Deutschland erklärt sich auch eine besondere Neigung verschiedener Lehrstuhlinhaber zum politischen Gebrauch bzw. Missbrauch des Faches Ur- und Frühgeschichte. Dennoch zeigt sich, dass in fast allen Zeitphasen die studentische Ausbildung und die Repräsentanz der Lehrstuhlinhaber, Honorar-Professoren und Dozenten eine bemerkenswerte Reputation besaßen.

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