Band 50, Heft 1-2: Glaube – Aberglaube -Tod. Vom Umgang mit dem Tod von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit

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Konferenz am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin vom 28.–30. November 2008: F. Biermann Sonderbestattungen, besondere Beigaben, Anti-Vampirismus-Maßnahmen. Ein Problemaufriss aus archäologischer Perspektive – B. Volk „Volksaberglaube“ und Tod. Ihre Erforschung aus heutiger ethnologischer Perspektive – K. Schade Hadesfahrten. Jenseitsvorstellungen in der griechisch-römischen Antike in Text, Bild und Objekt – K. Lussi Das Phänomen brennender Totengeister am Beispiel eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 – A. Herrmann-Pfandt Das Menschenopfer: Zur religionswissenschaftlichen Systematik und Deutung eines ungeliebten Phänomens – I. Beilke-Voigt Menschliche „Bauopfer“. Ein archäologisch-historischer Überblick – S. Eisenbeiss Moorleichen – Straffällige, Opfer oder Bestattungen? – S. Brather Tod und Bestattungen im frühen Mittelalter. Repräsentation, Vorstellungswelten und Variabilität am Beispiel merowingerzeitlicher Reihengräberfelder – A. Pollex Sonderbestattungen im nordwestlichen slawischen Raum – A. Mainka-Mehling Hinweise auf frühmittelalterlichen „Aberglauben“? Kritik am Beispiel der Altstücke im Grab – I. Stefan Frühmittelalterliche Sonderbestattungen in Böhmen und Mähren. Archäologie der Randgruppen? – C. Matthes Begraben am Bach bei Zeicha: Eine frühneuzeitliche Gefäßdeponierung in Sachsen als Indikator volksmedizinischer Rituale – B. Wittkopp Der Dominikanerfriedhof in Strausberg. Sonderbestattungen, Sicheln und ihre Interpretation – B. Jungklaus Sonderbestattungen vom 10.–15 Jh. in Brandenburg aus anthropologischer Sicht – T. Gärtner Heidnisch oder christlich? Über Deponierungen von Gefäßen in frühmittelalterlichen Gräbern West- und Süddeutschlands – T. Schürmann Schmatzende Tote und ihre Bekämpfung in der frühen Neuzeit – N. Kuzmin Teilbestattungen der Frühhunnenzeit im Minusinsker Becken. Fakten und Interpretation – J. Lippok & S. Müller-Pfeifruck „Die Krone habt ihr mir bereitet.“ Totenkronen als Gegenstand interdisziplinärer Forschungen – S. Ulrich-Bochsler Totgeboren, wiederbelebt und getauft: Vom „enfant sans âme“ zum „enfant du ciel“. Die mittelalterlichen Totgeburten von Oberbüren – A. Ströbl & D. Vick Hopfenbett und Hexenkraut. Oder: Wie christlich ist Aberglaube? – M. Genesis: Bestattung in ungeweihter Erde – Opfer des mittelalterlichen Strafvollzugs. Eine archäologisch-historische Betrachtung – N. Fischer Der nasse Tod. Sturmflutkatastrophen, Glauben und Mentalität an der deutschen Nordseeküste (16.–19. Jh.)### Zusammenfassungen ### Sonderbestattungen, besondere Beigaben, Anti-Vampirismus-Maßnahmen – ein Problemaufriss aus archäologischer Perspektive von Felix Biermann (Berlin): Der Aufsatz leitet die Beiträge zur Tagung „Glaube, Aberglaube, Tod. Vom Umgang mit dem Tod von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“ ein, indem die Problematik von Sonderbestattungen, besonderen Beigaben und Anti-Vampirismus-Maßnahmen anhand von Beispielen des Mittelalters und der Neuzeit vorwiegend aus Ostdeutschland umrissen wird.### „Volksaberglaube“ und Tod und ihre Erforschung aus heutiger ethnologischer Perspektive von Bettina Volk (Kassel): In der Ethnologie des Todes spielen auch Phänomene eine große Rolle, die im allgemeinen Sprachgebrauch und in anderen Disziplinen unter dem Oberbegriff Aberglaube und Volksglaube zusammengefasst werden. Der nachfolgenden Artikel gibt einen Überblick über die ethnologische Forschung zum Thema Tod, insbesondere für die Region Ostindonesien, und zeigt diesbezüglich auf, warum diese Begriffe in der Ethnologie nicht verwendet werden. ### Hadesfahrten. Jenseitsvorstellungen der griechisch-römischen Antike in Text, Bild und Objekt1 von Kathrin Schade (Berlin): Die griechisch-römische Antike hat vielfältige Vorstellungen von einem Dasein nach dem Tod hervorgebracht. In enger Analogie zum Diesseits konnten die Jenseitsideen schrecklich, tröstlich oder resignierend ausfallen, konnten Gerechtigkeitsutopien oder den Wunsch nach ewiger Glückseligkeit transportieren. Ein geschlossenes, Ausschließlichkeit beanspruchendes theologisches Konzept gab es nicht. Die Vielzahl der Informationen gewinnen wir heute aus sehr unterschiedlichen Quellen: aus literarischen, philosophischen oder epigraphischen Texten, von Bildern auf Grabmonumenten und profanen Gegenständen, von Artefakten im Kontext der Bestattungsriten. Unter Berücksichtigung der verschiedenen medialen Funktionen, der disparaten Aussageabsichten und Zwecke der Quellen wird in diesem Beitrag versucht, ein – freilich knappes und lückenhaftes – kulturgeschichtliches Bild der antiken Jenseitsvorstellungen zu skizzieren und diese anhand von Objekten der Bestattungsbräuche fest zu machen. ### Das Phänomen brennender Totengeister am Beispiel eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 von Kurt Lussi (Luzern): Den Lebenden sind gegenüber den Toten Pflichten auferlegt. Dazu gehören das Anzünden von Lichtern, das Lesen heiliger Messen durch Priester und persönliche Gebete. Das Unterlassen guter Werke, fehlendes Gedenken und nicht erfüllte Versprechen bringen den Verstorbenen um seine ewige Ruhe. Er kehrt als arme Seele zu den Lebenden zurück, um sie an die ungeschriebenen Gesetze zu erinnern. Nicht selten erscheinen die armen Seelen als brennende Skelette oder Lichtgestalten. Anhand eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 wird das Phänomen der brennenden Totengeister untersucht. ### Das Menschenopfer. Zur religionswissenschaftlichen Systematik und Deutung eines ungeliebten Phänomens1 von Adelheid Herrmann-Pfandt (Marburg): Nach Darstellung einiger wichtiger Merkmale von Menschenopfern in verschiedenen Kulturen, werden Theorien zu religiös motivierter Gewalt von René Girard, Walter Burkert, Barbara Ehrenreich, Gunnar Heinsohn, und Eli Sagan diskutiert. Die Ambivalenz existenzieller Angst und der Glaube in die menschliche Allmacht werden als Ursprung für die Menschenopfer aufgezeigt. Dieses Ritual kann als archaische und weit verbreitete menschliche Erfahrung zurückverfolgt werden: Eine Gruppe, vom Raubtier angegriffen, überließ ein Mitglied dem Angreifer, um sich zu retten. Mit der Stratifizierung der Gesellschaft in der Bronzezeit wurde diese archaische Erfahrung, den Tod von einem ihrer Mitglieder in Kauf zu nehmen, um viele zu retten, in Rituale des aktiven Herbeiführens von Tod transformiert. Könige oder eine Führerschicht strebten danach, sich als unsterblich zu etablieren, indem sie rituell ihre eigene Sterblichkeit auf Opfer übertrugen. ### Menschliche „Bauopfer“. Ein archäologisch-historischer Überblick von Ines Beilke-Voigt (Berlin): Den Grundstein für ein Haus, eine Brücke oder andere Bauwerke zu legen, war schon immer eine besondere Handlung und wird bis heute als Grundsteinlegung gefeiert. Besonders bei der Grundsteinlegung öffentlicher Bauten werden diese mit der Darbringung von sog. Bauopfern begleitet, die entweder in das Fundament vermauert oder in den Grundstein eingebracht werden. Heute handelt es sich zumeist um Kassetten aus Metall (Zeitkapseln), die mit symbolischen Gegenständen gefüllt sind, wie Münzen, Urkunden oder ähnliche Zeitdokumente. Aus historischen Zeiten sind neben diesen Sachzeugnissen ebenso menschliche Skelette bezeugt, die in der Forschung zumeist eine Deutung als Bauopfer nahe legen. In vielfältigen Sagen und Legenden zu Bauwerken scheint dieser Gedanke weiter zu leben. Ein kritischer Umgang mit den Quellen soll jedoch zeigen, wie differenziert diese Befunde und die Thematik der menschlichen Bauopfer zu betrachten sind. ### Moorleichen – Straffällige, Opfer oder Bestattungen? von Sabine Eisenbeiss (Hannover): Die Fundgruppe Moorleichen wird nach ihrem derzeitigen Forschungsstand zu dem Themenkomplex „Glaube und Aberglaube“ in Beziehung gesetzt. Dazu werden zunächst drei Beispielfunde beschrieben und die in der Forschung gängigen Theorien, wie die des Unglücksfalls, des Verbrechensopfers, des sakralen Menschenopfers, der Hinrichtung, des Strafopfers und die der Sonderbestattung kurz erläutert. Unter Berücksichtigung des Forschungstands und der Relativierung früherer Ergebnisse scheint derzeit eine Deutung im Bereich des Glaubens oder Aberglaubens durchaus wahrscheinlich. Dazu bieten sich die Theorie des Menschenopfers oder –

Gewicht 619 g
Bestellnr

2-36-50-1-2

Produktgruppe

Verkaufsprogramm

Reihe

Zeitschrift/Reihen

Hauptgruppe

Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ)

Untergruppe
ISBN
KurzbezTitel

Band 50, Heft 1-2: Glaube – Aberglaube -Tod. Vom Umgang mit dem Tod von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit

Autor

Hrsg von J. Callmer und R. Struwe

Erscheinungsjahr

2009

TechnischeAbgaben

22 Beiträge zum Stand der Forschung, 354 S.., zahlr. Abb. in SW

Inhalt

Konferenz am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin vom 28.–30. November 2008: F. Biermann Sonderbestattungen, besondere Beigaben, Anti-Vampirismus-Maßnahmen. Ein Problemaufriss aus archäologischer Perspektive – B. Volk „Volksaberglaube“ und Tod. Ihre Erforschung aus heutiger ethnologischer Perspektive – K. Schade Hadesfahrten. Jenseitsvorstellungen in der griechisch-römischen Antike in Text, Bild und Objekt – K. Lussi Das Phänomen brennender Totengeister am Beispiel eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 – A. Herrmann-Pfandt Das Menschenopfer: Zur religionswissenschaftlichen Systematik und Deutung eines ungeliebten Phänomens – I. Beilke-Voigt Menschliche „Bauopfer“. Ein archäologisch-historischer Überblick – S. Eisenbeiss Moorleichen – Straffällige, Opfer oder Bestattungen? – S. Brather Tod und Bestattungen im frühen Mittelalter. Repräsentation, Vorstellungswelten und Variabilität am Beispiel merowingerzeitlicher Reihengräberfelder – A. Pollex Sonderbestattungen im nordwestlichen slawischen Raum – A. Mainka-Mehling Hinweise auf frühmittelalterlichen „Aberglauben“? Kritik am Beispiel der Altstücke im Grab – I. Stefan Frühmittelalterliche Sonderbestattungen in Böhmen und Mähren. Archäologie der Randgruppen? – C. Matthes Begraben am Bach bei Zeicha: Eine frühneuzeitliche Gefäßdeponierung in Sachsen als Indikator volksmedizinischer Rituale – B. Wittkopp Der Dominikanerfriedhof in Strausberg. Sonderbestattungen, Sicheln und ihre Interpretation – B. Jungklaus Sonderbestattungen vom 10.–15 Jh. in Brandenburg aus anthropologischer Sicht – T. Gärtner Heidnisch oder christlich? Über Deponierungen von Gefäßen in frühmittelalterlichen Gräbern West- und Süddeutschlands – T. Schürmann Schmatzende Tote und ihre Bekämpfung in der frühen Neuzeit – N. Kuzmin Teilbestattungen der Frühhunnenzeit im Minusinsker Becken. Fakten und Interpretation – J. Lippok & S. Müller-Pfeifruck „Die Krone habt ihr mir bereitet.“ Totenkronen als Gegenstand interdisziplinärer Forschungen – S. Ulrich-Bochsler Totgeboren, wiederbelebt und getauft: Vom „enfant sans âme“ zum „enfant du ciel“. Die mittelalterlichen Totgeburten von Oberbüren – A. Ströbl & D. Vick Hopfenbett und Hexenkraut. Oder: Wie christlich ist Aberglaube? – M. Genesis: Bestattung in ungeweihter Erde – Opfer des mittelalterlichen Strafvollzugs. Eine archäologisch-historische Betrachtung – N. Fischer Der nasse Tod. Sturmflutkatastrophen, Glauben und Mentalität an der deutschen Nordseeküste (16.–19. Jh.)### Zusammenfassungen ### Sonderbestattungen, besondere Beigaben, Anti-Vampirismus-Maßnahmen – ein Problemaufriss aus archäologischer Perspektive von Felix Biermann (Berlin): Der Aufsatz leitet die Beiträge zur Tagung „Glaube, Aberglaube, Tod. Vom Umgang mit dem Tod von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“ ein, indem die Problematik von Sonderbestattungen, besonderen Beigaben und Anti-Vampirismus-Maßnahmen anhand von Beispielen des Mittelalters und der Neuzeit vorwiegend aus Ostdeutschland umrissen wird.### „Volksaberglaube“ und Tod und ihre Erforschung aus heutiger ethnologischer Perspektive von Bettina Volk (Kassel): In der Ethnologie des Todes spielen auch Phänomene eine große Rolle, die im allgemeinen Sprachgebrauch und in anderen Disziplinen unter dem Oberbegriff Aberglaube und Volksglaube zusammengefasst werden. Der nachfolgenden Artikel gibt einen Überblick über die ethnologische Forschung zum Thema Tod, insbesondere für die Region Ostindonesien, und zeigt diesbezüglich auf, warum diese Begriffe in der Ethnologie nicht verwendet werden. ### Hadesfahrten. Jenseitsvorstellungen der griechisch-römischen Antike in Text, Bild und Objekt1 von Kathrin Schade (Berlin): Die griechisch-römische Antike hat vielfältige Vorstellungen von einem Dasein nach dem Tod hervorgebracht. In enger Analogie zum Diesseits konnten die Jenseitsideen schrecklich, tröstlich oder resignierend ausfallen, konnten Gerechtigkeitsutopien oder den Wunsch nach ewiger Glückseligkeit transportieren. Ein geschlossenes, Ausschließlichkeit beanspruchendes theologisches Konzept gab es nicht. Die Vielzahl der Informationen gewinnen wir heute aus sehr unterschiedlichen Quellen: aus literarischen, philosophischen oder epigraphischen Texten, von Bildern auf Grabmonumenten und profanen Gegenständen, von Artefakten im Kontext der Bestattungsriten. Unter Berücksichtigung der verschiedenen medialen Funktionen, der disparaten Aussageabsichten und Zwecke der Quellen wird in diesem Beitrag versucht, ein – freilich knappes und lückenhaftes – kulturgeschichtliches Bild der antiken Jenseitsvorstellungen zu skizzieren und diese anhand von Objekten der Bestattungsbräuche fest zu machen. ### Das Phänomen brennender Totengeister am Beispiel eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 von Kurt Lussi (Luzern): Den Lebenden sind gegenüber den Toten Pflichten auferlegt. Dazu gehören das Anzünden von Lichtern, das Lesen heiliger Messen durch Priester und persönliche Gebete. Das Unterlassen guter Werke, fehlendes Gedenken und nicht erfüllte Versprechen bringen den Verstorbenen um seine ewige Ruhe. Er kehrt als arme Seele zu den Lebenden zurück, um sie an die ungeschriebenen Gesetze zu erinnern. Nicht selten erscheinen die armen Seelen als brennende Skelette oder Lichtgestalten. Anhand eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 wird das Phänomen der brennenden Totengeister untersucht. ### Das Menschenopfer. Zur religionswissenschaftlichen Systematik und Deutung eines ungeliebten Phänomens1 von Adelheid Herrmann-Pfandt (Marburg): Nach Darstellung einiger wichtiger Merkmale von Menschenopfern in verschiedenen Kulturen, werden Theorien zu religiös motivierter Gewalt von René Girard, Walter Burkert, Barbara Ehrenreich, Gunnar Heinsohn, und Eli Sagan diskutiert. Die Ambivalenz existenzieller Angst und der Glaube in die menschliche Allmacht werden als Ursprung für die Menschenopfer aufgezeigt. Dieses Ritual kann als archaische und weit verbreitete menschliche Erfahrung zurückverfolgt werden: Eine Gruppe, vom Raubtier angegriffen, überließ ein Mitglied dem Angreifer, um sich zu retten. Mit der Stratifizierung der Gesellschaft in der Bronzezeit wurde diese archaische Erfahrung, den Tod von einem ihrer Mitglieder in Kauf zu nehmen, um viele zu retten, in Rituale des aktiven Herbeiführens von Tod transformiert. Könige oder eine Führerschicht strebten danach, sich als unsterblich zu etablieren, indem sie rituell ihre eigene Sterblichkeit auf Opfer übertrugen. ### Menschliche „Bauopfer“. Ein archäologisch-historischer Überblick von Ines Beilke-Voigt (Berlin): Den Grundstein für ein Haus, eine Brücke oder andere Bauwerke zu legen, war schon immer eine besondere Handlung und wird bis heute als Grundsteinlegung gefeiert. Besonders bei der Grundsteinlegung öffentlicher Bauten werden diese mit der Darbringung von sog. Bauopfern begleitet, die entweder in das Fundament vermauert oder in den Grundstein eingebracht werden. Heute handelt es sich zumeist um Kassetten aus Metall (Zeitkapseln), die mit symbolischen Gegenständen gefüllt sind, wie Münzen, Urkunden oder ähnliche Zeitdokumente. Aus historischen Zeiten sind neben diesen Sachzeugnissen ebenso menschliche Skelette bezeugt, die in der Forschung zumeist eine Deutung als Bauopfer nahe legen. In vielfältigen Sagen und Legenden zu Bauwerken scheint dieser Gedanke weiter zu leben. Ein kritischer Umgang mit den Quellen soll jedoch zeigen, wie differenziert diese Befunde und die Thematik der menschlichen Bauopfer zu betrachten sind. ### Moorleichen – Straffällige, Opfer oder Bestattungen? von Sabine Eisenbeiss (Hannover): Die Fundgruppe Moorleichen wird nach ihrem derzeitigen Forschungsstand zu dem Themenkomplex „Glaube und Aberglaube“ in Beziehung gesetzt. Dazu werden zunächst drei Beispielfunde beschrieben und die in der Forschung gängigen Theorien, wie die des Unglücksfalls, des Verbrechensopfers, des sakralen Menschenopfers, der Hinrichtung, des Strafopfers und die der Sonderbestattung kurz erläutert. Unter Berücksichtigung des Forschungstands und der Relativierung früherer Ergebnisse scheint derzeit eine Deutung im Bereich des Glaubens oder Aberglaubens durchaus wahrscheinlich. Dazu bieten sich die Theorie des Menschenopfers oder –

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