Band 45, Heft 2-3

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Abhandlungen : Von der Geburt bis zum Tode. Individuelle und gesellschaftliche Dimensionen von Alter und Geschlecht in der Urgeschichte From Birth to Death. Individual and Social Dimensions of Age and Gender in Prehistory. Konferenz am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin vom 26.–28. März 2004. Conference at the Department of Pre- and Protohistory, Humboldt-Universität zu Berlin March 26–28, 2004 Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung und der Humboldt-Universität Sponsored by the Fritz Thyssen Stiftung and the Humboldt University: Grußworte an die Konferenzteilnehmer – L. R. Owen, M. Porr & R. Struwe: Einleitung – Introduction – K. W. Alt: Dimensionen von Alter und Geschlecht in der Ontogenese des Menschen. Archäologische Implikationen – J. Sofaer: The materiality of age: osteoarchaeology, objects, and the contingency of human development – M. Pawleta: Re-constructing childhood in archaeology – L. R. Owen: Immobile women and mobile men: Fallacies about Upper Palaeolithic hunter-gatherers – S. Kästner: Vom Miniaturgrabstock bis zur Menstruationshütte. Lebensstationen australischer Aborigines-Frauen der Central und Western Desert anhand ethnologischer Zeugnisse und archäologische Implikationen – S. Bergmann: Gruben und Geburt? Ethnohistorische Beispiele aus Nordamerika und ihre archäologischen Implikationen – M. Porr: Individual reflections: Gender and the Aurignacian art of Southwest Germany – I. Beilke-Voigt Kinderdefizite und Kinderfriedhöfe – Zur Sonderstellung des Kindes im Bestattungsritual anhand archäologischer und ethnologischer Quellen – K. O. Lorentz: Age and gender in Eastern Mediterranean prehistory: Depictions, burials and skeletal evidence – K. Spindler: Die Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen: Geschlecht, Sterbealter, Todesursache und sozialer Stand – M. L. S. Sørensen: The interconnection of age and gender: a Bronze Age perspective – S. Voutsaki: Age and gender in the southern Greek mainland, 2000-1500 BC – C. Gallou: More than little perishers: Child burials and the living society in Mycenaean Greece – M. Sánchez Romero: Children in the Southeast of the Iberian Peninsula during Bronze Age – G. Zipf: Häuptlingssöhne und Fürstentöchter? Kindergräber in der Frühbronzezeit Mitteldeutschlands – A. Gramsch: Von reichen Kindern und Kinderreichen. Alter und Geschlecht im Bestattungskult der Lausitzer Kultur – S. Sabatini: “A house for everyone?” Considerations upon age and gender and the Late Bronze Age Nordic house urns from Sweden and Denmark. – F. Nikulka: Alter und Geschlecht im Spiegel des hallstattzeitlichen Bestattungswesens Nordbayerns – M. Jung Die Dimensionen von Alter und Geschlecht aus strukturanalytischer und empiristischer Sicht und ihre Bedeutung für die Rekonstruktion von Sozialstrukturen prähistorischer Gesellschaften – G. Gustavs Unterschiede bei der Fibelausstattung der Altersgruppen in der spätlatènezeitlichen Nekropole von Gräfenhainichen, Kreis Wittenberg – R. Karl: Guardian and ward. Age and gender as strange social attractors in the Celtic Iron Age – T. Makiewicz, J. Skowron & D. ?ychli?ski: Alter und Geschlecht am Beispiel großpolnischer Gräberfelder der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit – R. Struwe Forschungsgeschichtliches zur „geschlechtlichen Arbeitsteilung“ in der Urgeschichte. Ein Briefwechsel zwischen F. G. G. Rose und V. G. Childe – B. Röder Frauen, Kinder und andere Minderheiten. Alter und Geschlecht auf Lebensbildern zur Urgeschichte ### Zusammenfassungen ### Dimensionen von Alter und Geschlecht in der Ontogenese des Menschen – Archäologische Implikationen von Kurt W. Alt (Mainz): Die Ontogenese beschreibt die geschlechtliche und individuelle Differenzierung des Menschen. Sie umfasst alle Form- und Funktionsbildungsprozesse des Individuums während Wachstum und Entwicklung sowie die Veränderungen während der Reife und endet nach gegenwärtiger Auffassung mit dem Tod. Das biologische Alter gibt das Entwicklungsstadium an, das ein Individuum erreicht hat. Es korrespondiert mit dem durchschnittlichen chronologischen Alter, zu dem das Entwicklungsstadium des Individuums innerhalb einer Population erreicht wurde. Die Kriterien für das biologische Alter richten sich nach bestimmten Stadien. Die pränatale Phase mit ihren vor allem artspezifischen Entwicklungsstufen ist Untersuchungsgegenstand der Anatomie, wogegen die letzte Lebensperiode für die Gerontologie von Interesse ist. Die Entwicklungsprozesse werden anscheinend durch eine Reihe von genetischen Aktivierungen gesteuert, die von einem vorbestimmten Entwicklungsplan abhängen. Der genetisch regulierte Ablauf dieser Vorgänge wird besonders erkennbar in den biologischen Alterungsmerkmalen (z. B. die Ossifikationsvorgänge am Skelett). Der Entwicklungsverlauf in Kindheit und Jugend wird von (allgemeinen) genetischen, geschlechtsabhängigen und Umweltfaktoren beeinflusst. Die Körperhöhe und das Gewicht eines Individuums hängen beispielsweise von der Ernährung, von durchlittenen Krankheiten, klimatischen Bedingungen, der physischen Aktivität und Umweltfaktoren ab. Eine beschleunigte Entwicklung kann sich individuell, gruppenspezifisch oder weltweit manifestieren. Erkenntnisse zur Dimension von Alter und Geschlecht in der humanen Ontogenese müssen Beachtung finden, wenn wir – über die Entwicklungsbiologie hinausgehend – mit ihnen in der Paläo- und prähistorischen Anthropologie umgehen. ### The materiality of age: osteoarchaeology, objects, and the contingency of human development by Joanna R. Sofaer (Southampton): Die Materialität des Alters: Osteoarchäologie, Gegenstände und die Abhängigkeiten der menschlichen Entwicklung. Durch die Assoziationen von Gegenständen und menschlichen Skeletten eines bestimmten Alters werden osteologische Bestimmungen in der Regel als Basis archäologischer Interpretationen verwendet. Der skelettierte Körper wird daher als Mittel verwendet, um bestimmte Interpretationen zu untermauern und weniger als Quelle von Interpretationen selbst. In diesem Beitrag wird dem Verhältnis der Praxis der Osteoarchäologie und der interpretativen, auf Objekten basierenden Archäologie durch eine Untersuchung der ontologischen Unterscheidung von Erwachsenen und Kindern nachgegangen. Hier wird ein theoretischer Rahmen entworfen, der die bioarchäologische Analyse des menschlichen Skeletts als Art und Weise versteht, Körper und Gegenstände so in Beziehung zueinander zu setzen, dass die physiologischen Veränderungen des Körpers in seiner Lebensgeschichte als kontextuell spezifische Interpretationen sozialer Identität verstanden werden können. Alter wird nicht im Sinne einer Abfolge von Kategorien gesehen, sondern – im Lichte der gegenseitigen Beziehung von Körpern und Gegenständen – in Abhängigkeit vom Prozess der menschlichen Entwicklung. Alter ist eine zeitliche und eine materielle Größe. ### Re-constructing childhood in archaeology by Micha? Pawleta (Pozna?): Die Re-Konstruktion der Kindheit in der Archäologie. Die Ausgangspunkte des vorliegenden Beitrags sind verschiedene Konzepte der Definition von Kindheit. Ich untersuche hier die dominanten und dominierenden Auffassungen zur Kindheit in Theorien zur Sozialisierung und Entwicklungspsychologie. Die dominanten Ansichten, die die Untersuchungen von Kindern und Kindheit bestimmen, sind deren Universalität, Natürlichkeit, natürliches Wachstum und Rationalität, zusammen mit der Annahme einer progressiven Entwicklung zum Erwachsenen. Diese Vorstellungen beeinflussen sowohl das allgemeine Verständnis als auch das alltägliche Handeln im Zusammenhang mit Kindern. Ich vertrete die Ansicht, dass dies auch die Art und Weise beeinflusst, wie Kinder in der Archäologie gesehen werden, und auch den dominanten Interpretationsrahmen im Fach bestimmt. Ich möchte in diesem Beitrag den diskursiven Charakter von Kindheit unterstreichen und meine Überlegungen an Ansätze aus der Kindheitssoziologie anlehnen. Letztere erscheint als wertvolle neuere Entwicklung, mit der auch das Konzept der Kindheit in der Archäologie theoretisch besser gefasst werden kann. Diese Zusammenhänge werden anhand einiger archäologischer Arbeiten erläutert. ### Immobile women and mobile men: fallacies about Upper Paleolith

Gewicht 250 g
Bestellnr

2-36-45-2-3

Produktgruppe

Verkaufsprogramm

Reihe

Zeitschrift/Reihen

Hauptgruppe

Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ)

Untergruppe
ISBN
KurzbezTitel

Band 45, Heft 2-3

Autor

Hrsg von J. Callmer und R. Struwe

Erscheinungsjahr

2004

TechnischeAbgaben

Beiträge zum Stand der Forschung, zahlr. Abb. in SW

Inhalt

Abhandlungen : Von der Geburt bis zum Tode. Individuelle und gesellschaftliche Dimensionen von Alter und Geschlecht in der Urgeschichte From Birth to Death. Individual and Social Dimensions of Age and Gender in Prehistory. Konferenz am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin vom 26.–28. März 2004. Conference at the Department of Pre- and Protohistory, Humboldt-Universität zu Berlin March 26–28, 2004 Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung und der Humboldt-Universität Sponsored by the Fritz Thyssen Stiftung and the Humboldt University: Grußworte an die Konferenzteilnehmer – L. R. Owen, M. Porr & R. Struwe: Einleitung – Introduction – K. W. Alt: Dimensionen von Alter und Geschlecht in der Ontogenese des Menschen. Archäologische Implikationen – J. Sofaer: The materiality of age: osteoarchaeology, objects, and the contingency of human development – M. Pawleta: Re-constructing childhood in archaeology – L. R. Owen: Immobile women and mobile men: Fallacies about Upper Palaeolithic hunter-gatherers – S. Kästner: Vom Miniaturgrabstock bis zur Menstruationshütte. Lebensstationen australischer Aborigines-Frauen der Central und Western Desert anhand ethnologischer Zeugnisse und archäologische Implikationen – S. Bergmann: Gruben und Geburt? Ethnohistorische Beispiele aus Nordamerika und ihre archäologischen Implikationen – M. Porr: Individual reflections: Gender and the Aurignacian art of Southwest Germany – I. Beilke-Voigt Kinderdefizite und Kinderfriedhöfe – Zur Sonderstellung des Kindes im Bestattungsritual anhand archäologischer und ethnologischer Quellen – K. O. Lorentz: Age and gender in Eastern Mediterranean prehistory: Depictions, burials and skeletal evidence – K. Spindler: Die Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen: Geschlecht, Sterbealter, Todesursache und sozialer Stand – M. L. S. Sørensen: The interconnection of age and gender: a Bronze Age perspective – S. Voutsaki: Age and gender in the southern Greek mainland, 2000-1500 BC – C. Gallou: More than little perishers: Child burials and the living society in Mycenaean Greece – M. Sánchez Romero: Children in the Southeast of the Iberian Peninsula during Bronze Age – G. Zipf: Häuptlingssöhne und Fürstentöchter? Kindergräber in der Frühbronzezeit Mitteldeutschlands – A. Gramsch: Von reichen Kindern und Kinderreichen. Alter und Geschlecht im Bestattungskult der Lausitzer Kultur – S. Sabatini: “A house for everyone?” Considerations upon age and gender and the Late Bronze Age Nordic house urns from Sweden and Denmark. – F. Nikulka: Alter und Geschlecht im Spiegel des hallstattzeitlichen Bestattungswesens Nordbayerns – M. Jung Die Dimensionen von Alter und Geschlecht aus strukturanalytischer und empiristischer Sicht und ihre Bedeutung für die Rekonstruktion von Sozialstrukturen prähistorischer Gesellschaften – G. Gustavs Unterschiede bei der Fibelausstattung der Altersgruppen in der spätlatènezeitlichen Nekropole von Gräfenhainichen, Kreis Wittenberg – R. Karl: Guardian and ward. Age and gender as strange social attractors in the Celtic Iron Age – T. Makiewicz, J. Skowron & D. ?ychli?ski: Alter und Geschlecht am Beispiel großpolnischer Gräberfelder der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit – R. Struwe Forschungsgeschichtliches zur „geschlechtlichen Arbeitsteilung“ in der Urgeschichte. Ein Briefwechsel zwischen F. G. G. Rose und V. G. Childe – B. Röder Frauen, Kinder und andere Minderheiten. Alter und Geschlecht auf Lebensbildern zur Urgeschichte ### Zusammenfassungen ### Dimensionen von Alter und Geschlecht in der Ontogenese des Menschen – Archäologische Implikationen von Kurt W. Alt (Mainz): Die Ontogenese beschreibt die geschlechtliche und individuelle Differenzierung des Menschen. Sie umfasst alle Form- und Funktionsbildungsprozesse des Individuums während Wachstum und Entwicklung sowie die Veränderungen während der Reife und endet nach gegenwärtiger Auffassung mit dem Tod. Das biologische Alter gibt das Entwicklungsstadium an, das ein Individuum erreicht hat. Es korrespondiert mit dem durchschnittlichen chronologischen Alter, zu dem das Entwicklungsstadium des Individuums innerhalb einer Population erreicht wurde. Die Kriterien für das biologische Alter richten sich nach bestimmten Stadien. Die pränatale Phase mit ihren vor allem artspezifischen Entwicklungsstufen ist Untersuchungsgegenstand der Anatomie, wogegen die letzte Lebensperiode für die Gerontologie von Interesse ist. Die Entwicklungsprozesse werden anscheinend durch eine Reihe von genetischen Aktivierungen gesteuert, die von einem vorbestimmten Entwicklungsplan abhängen. Der genetisch regulierte Ablauf dieser Vorgänge wird besonders erkennbar in den biologischen Alterungsmerkmalen (z. B. die Ossifikationsvorgänge am Skelett). Der Entwicklungsverlauf in Kindheit und Jugend wird von (allgemeinen) genetischen, geschlechtsabhängigen und Umweltfaktoren beeinflusst. Die Körperhöhe und das Gewicht eines Individuums hängen beispielsweise von der Ernährung, von durchlittenen Krankheiten, klimatischen Bedingungen, der physischen Aktivität und Umweltfaktoren ab. Eine beschleunigte Entwicklung kann sich individuell, gruppenspezifisch oder weltweit manifestieren. Erkenntnisse zur Dimension von Alter und Geschlecht in der humanen Ontogenese müssen Beachtung finden, wenn wir – über die Entwicklungsbiologie hinausgehend – mit ihnen in der Paläo- und prähistorischen Anthropologie umgehen. ### The materiality of age: osteoarchaeology, objects, and the contingency of human development by Joanna R. Sofaer (Southampton): Die Materialität des Alters: Osteoarchäologie, Gegenstände und die Abhängigkeiten der menschlichen Entwicklung. Durch die Assoziationen von Gegenständen und menschlichen Skeletten eines bestimmten Alters werden osteologische Bestimmungen in der Regel als Basis archäologischer Interpretationen verwendet. Der skelettierte Körper wird daher als Mittel verwendet, um bestimmte Interpretationen zu untermauern und weniger als Quelle von Interpretationen selbst. In diesem Beitrag wird dem Verhältnis der Praxis der Osteoarchäologie und der interpretativen, auf Objekten basierenden Archäologie durch eine Untersuchung der ontologischen Unterscheidung von Erwachsenen und Kindern nachgegangen. Hier wird ein theoretischer Rahmen entworfen, der die bioarchäologische Analyse des menschlichen Skeletts als Art und Weise versteht, Körper und Gegenstände so in Beziehung zueinander zu setzen, dass die physiologischen Veränderungen des Körpers in seiner Lebensgeschichte als kontextuell spezifische Interpretationen sozialer Identität verstanden werden können. Alter wird nicht im Sinne einer Abfolge von Kategorien gesehen, sondern – im Lichte der gegenseitigen Beziehung von Körpern und Gegenständen – in Abhängigkeit vom Prozess der menschlichen Entwicklung. Alter ist eine zeitliche und eine materielle Größe. ### Re-constructing childhood in archaeology by Micha? Pawleta (Pozna?): Die Re-Konstruktion der Kindheit in der Archäologie. Die Ausgangspunkte des vorliegenden Beitrags sind verschiedene Konzepte der Definition von Kindheit. Ich untersuche hier die dominanten und dominierenden Auffassungen zur Kindheit in Theorien zur Sozialisierung und Entwicklungspsychologie. Die dominanten Ansichten, die die Untersuchungen von Kindern und Kindheit bestimmen, sind deren Universalität, Natürlichkeit, natürliches Wachstum und Rationalität, zusammen mit der Annahme einer progressiven Entwicklung zum Erwachsenen. Diese Vorstellungen beeinflussen sowohl das allgemeine Verständnis als auch das alltägliche Handeln im Zusammenhang mit Kindern. Ich vertrete die Ansicht, dass dies auch die Art und Weise beeinflusst, wie Kinder in der Archäologie gesehen werden, und auch den dominanten Interpretationsrahmen im Fach bestimmt. Ich möchte in diesem Beitrag den diskursiven Charakter von Kindheit unterstreichen und meine Überlegungen an Ansätze aus der Kindheitssoziologie anlehnen. Letztere erscheint als wertvolle neuere Entwicklung, mit der auch das Konzept der Kindheit in der Archäologie theoretisch besser gefasst werden kann. Diese Zusammenhänge werden anhand einiger archäologischer Arbeiten erläutert. ### Immobile women and mobile men: fallacies about Upper Paleolith

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