Band 46, Heft 2

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Editorial – Abhandlungen: J. Henker Die Siedlungsstruktur der Lausitzer Kultur und Billendorfer Gruppe im Dresdner Elbtal unter besonderer Berücksichtigung der Erzlagerstätten – M. Brumlich Schmiedegräber der älteren vorrömischen Eisenzeit in Norddeutschland – A. Volkmann Landeserschließung des Thüringer Beckens in der Merowingerzeit unter besonderer Betrachtung der naturräumlichen Standortwahl sowie der Bodenverhältnisse – A. Pollex, P. Sikora, K. W. Alt Zum Nachweis von „Fremden“ im archäologischen Befund – Rezensionen und Annotationen ### Zusammenfassungen ### Die Siedlungsstruktur der Lausitzer Kultur und Billendorfer Gruppe im Dresdner Elbtal unter besonderer Berücksichtigung der Erzlagerstätten von Jens Henker (Berlin): In dieser Arbeit wird die bronze- und früheisenzeitliche Siedlungsstruktur im Raum Dresden mit dem Ziel untersucht, Hinweise auf die Nutzung einheimischer Erzvorkommen zu erhalten. Dabei ist festzustellen, dass sich die Lage der Offensiedlungen nach naturräumlichen Faktoren richtete, die eine agrarische Standortwahl belegen. Der Nutzung höher gelegener Löß- bzw. Lößderivatflächen kam eine besondere Bedeutung zu, wobei grundsätzlich die klimatisch bedingte Siedlungsgrenze von 240 m ü. NN nicht überschritten wurde. Ein Vordringen ins Erzgebirge ist weder anhand von Einzelfunden, noch aufgrund der sich während der Spätbronzezeit in höhere Lagen ausweitenden Besiedlung feststellbar. Allein die Burgen, die isoliert am Rande des geschlossenen Siedlungsareals errichtet wurden, lassen in einigen Fällen einen deutlichen Bezug zu lokalen Lagerstätten im Erzgebirgsvorland erkennen. Somit könnten diese einfach zu erreichenden Erzvorkommen während der Bronze- und anschließenden Früheisenzeit genutzt worden sein, wenn auch direkte Belege in Form von Abbauspuren fehlen. ### Schmiedegräber der älteren vorrömischen Eisenzeit in Norddeutschland von Markolf Brumlich (Königs Wusterhausen): Seit Beginn der Eisenzeit finden sich in Norddeutschland Gräber, die im Grabbau oder unter den Beigaben eisenmetallurgisches Material aufweisen. Diese Sonderbestattungen konzentrieren sich im Kerngebiet der Jastorfkultur und im Gebiet der Nienburger Gruppe. Am Übergang zur jüngeren vorrömischen Eisenzeit kommt mit einem ersten Latènisierungsschub die Sitte der Beigabe von Schmiedeambossen auf. Erst in der Spätlatènezeit erscheinen während eines zweiten Latènisierungsschubes Gräber mit einer komplexen Ausstattung mit Schmiedewerkzeugen. Während es sich in der Spätlatènezeit um Männergräber handelt, zeigen in der älteren vorrömischen Eisenzeit auch Frauengräber eine Verbindung zur Eisenmetallurgie. Möglicherweise kam es mit der Einführung der Eisentechnologie zur Herausbildung einer Schmiedekaste, deren Angehörige in speziell gekennzeichneten Gräbern bestattet wurden. Spätere literarische Quellen und ethnografische Studien belegen eine soziale Position von Schmieden am Rand oder außerhalb der Gemeinschaft. Veränderungen innerhalb dieser Grabsitten dürften im Kontext mit dem Wechsel des Eisens vom Prestigeobjekt zum Gebrauchswerkstoff stehen. ### Landeserschließung des Thüringer Beckens in der Merowingerzeit hinsichtlich der naturräumlichen Standortwahl sowie der Bodenverhältnisse von Armin Volkmann (Calau): Die Region des Thüringer Beckens eignet sich aufgrund des recht guten Forschungsstandes besonders gut für siedlungsarchäologische Studien. Es deutet sich im Untersuchungsgebiet eine ununterbrochene Besiedlungstätigkeit von der Römischen Kaiserzeit bis hin zum Hochmittelalter an. Diese Siedlungsentwicklungen sind jedoch nicht linear zu sehen und unterliegen einigen Schwankungsphasen mit verminderter oder verstärkter Siedlungsanlage, die sich im Fundniederschag bemerkbar machen. Die spätvölkerwanderungszeitlichen-frühmittelalterlichen Besiedlungsvorgänge sind nur skizzenhaft anhand der wenigen schriftlichen Quellen erschließbar. Die archäologische Fundstellenauswertung verdeutlicht eine Veränderung der Besiedlungsstruktur, mit zuvor „streuenden“, oft nur ein bis zwei Generationen genutzten Siedlungen der älteren Merowingerzeit, hin zu länger bestehenden Dorfstellen. Es ist von einer weitgehenden Stagnation der Bevölkerungsanzahl auszugehen. In der jüngeren Merowingerzeit wurden zielgerichtet die Regionen mit den besten Böden und naturräumlichem Potential erschlossen. Fast alle Siedlungen im Bereich von Böden minderer Güte wurden im Verlauf der jüngeren Merowingerzeit aufgegeben. Eine Ausnahme bilden die Siedlungen, die an strategisch oder verkehrstechnisch günstig gelegenen Standorten errichtet wurden. In diesen zentralen Orten (oft mit Burg und Marktplatz) war die Bodengüte nicht ausschlaggebend für das Weiterbestehen der Siedlungsstelle, da ihre wirtschaftliche Grundlage nicht auf Ackerbau und Viehzucht beruhte. Die flächenhafte Landeserschließung des Thüringer Beckens in der Merowingerzeit hatte das Entstehen kontinuierlicher Dorfstellen zur Folge und war eine Grundlage der heute bestehenden Kulturlandschaft. ### Zum Nachweis von „Fremden“ im archäologischen Befund von Axel Pollex (Berlin), Przemys?aw Sikora (Tübingen) & Kurt W. Alt (Mainz): Fremdheit ist ein überaus komplexes Phänomen, das in den Geisteswissenschaften eine zunehmende Popularität erfahren hat. In der Archäologie wird der Nachweis von „Fremden“ über Indizienbeweise unterschiedlicher Plausibilität geführt. Die Wahrscheinlichkeit derartiger Verfahren steigt mit der Anzahl voneinander unabhängiger Indizien. Die räumliche Verteilung von Bestattungen mit Sonderorientierung im heutigen Weißrussland, die häufig im Grenzgebiet zwischen verschiedenen Stämmen liegen, legt den Verdacht nahe, dass es sich um Bestattungen von ‚Fremden‘ handelt. Im Analogieschluss konnten in der nördlichen Germania Slavica Bestattungen identifiziert werden, die den für Weißrussland aufgestellten Kriterien entsprechen. Hier wurde für einen Bestattungsplatz eine Verwandtschaftsanalyse durchgeführt, welche die aufgestellte These in einem Fall exemplarisch bestätigt. Welche Form von Fremdheit mit der unterschiedlichen Orientierung der Toten allerdings ausgedrückt werden sollte – religiöse, kulturelle, soziale, rechtliche usw. – lässt sich nicht ermitteln. Aufgrund des fragilen Indizienbeweises sind weitere Verwandtschaftsanalysen zur Bestätigung der hier aufgestellten These erforderlich.

Gewicht 250 g
Bestellnr

2-36-46-2

Produktgruppe

Verkaufsprogramm

Reihe

Zeitschrift/Reihen

Hauptgruppe

Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ)

Untergruppe
ISBN
KurzbezTitel

Band 46, Heft 2

Autor

Hrsg von J. Callmer und R. Struwe

Erscheinungsjahr

2005

TechnischeAbgaben

Beiträge zum Stand der Forschung, zahlr. Abb. in SW

Inhalt

Editorial – Abhandlungen: J. Henker Die Siedlungsstruktur der Lausitzer Kultur und Billendorfer Gruppe im Dresdner Elbtal unter besonderer Berücksichtigung der Erzlagerstätten – M. Brumlich Schmiedegräber der älteren vorrömischen Eisenzeit in Norddeutschland – A. Volkmann Landeserschließung des Thüringer Beckens in der Merowingerzeit unter besonderer Betrachtung der naturräumlichen Standortwahl sowie der Bodenverhältnisse – A. Pollex, P. Sikora, K. W. Alt Zum Nachweis von „Fremden“ im archäologischen Befund – Rezensionen und Annotationen ### Zusammenfassungen ### Die Siedlungsstruktur der Lausitzer Kultur und Billendorfer Gruppe im Dresdner Elbtal unter besonderer Berücksichtigung der Erzlagerstätten von Jens Henker (Berlin): In dieser Arbeit wird die bronze- und früheisenzeitliche Siedlungsstruktur im Raum Dresden mit dem Ziel untersucht, Hinweise auf die Nutzung einheimischer Erzvorkommen zu erhalten. Dabei ist festzustellen, dass sich die Lage der Offensiedlungen nach naturräumlichen Faktoren richtete, die eine agrarische Standortwahl belegen. Der Nutzung höher gelegener Löß- bzw. Lößderivatflächen kam eine besondere Bedeutung zu, wobei grundsätzlich die klimatisch bedingte Siedlungsgrenze von 240 m ü. NN nicht überschritten wurde. Ein Vordringen ins Erzgebirge ist weder anhand von Einzelfunden, noch aufgrund der sich während der Spätbronzezeit in höhere Lagen ausweitenden Besiedlung feststellbar. Allein die Burgen, die isoliert am Rande des geschlossenen Siedlungsareals errichtet wurden, lassen in einigen Fällen einen deutlichen Bezug zu lokalen Lagerstätten im Erzgebirgsvorland erkennen. Somit könnten diese einfach zu erreichenden Erzvorkommen während der Bronze- und anschließenden Früheisenzeit genutzt worden sein, wenn auch direkte Belege in Form von Abbauspuren fehlen. ### Schmiedegräber der älteren vorrömischen Eisenzeit in Norddeutschland von Markolf Brumlich (Königs Wusterhausen): Seit Beginn der Eisenzeit finden sich in Norddeutschland Gräber, die im Grabbau oder unter den Beigaben eisenmetallurgisches Material aufweisen. Diese Sonderbestattungen konzentrieren sich im Kerngebiet der Jastorfkultur und im Gebiet der Nienburger Gruppe. Am Übergang zur jüngeren vorrömischen Eisenzeit kommt mit einem ersten Latènisierungsschub die Sitte der Beigabe von Schmiedeambossen auf. Erst in der Spätlatènezeit erscheinen während eines zweiten Latènisierungsschubes Gräber mit einer komplexen Ausstattung mit Schmiedewerkzeugen. Während es sich in der Spätlatènezeit um Männergräber handelt, zeigen in der älteren vorrömischen Eisenzeit auch Frauengräber eine Verbindung zur Eisenmetallurgie. Möglicherweise kam es mit der Einführung der Eisentechnologie zur Herausbildung einer Schmiedekaste, deren Angehörige in speziell gekennzeichneten Gräbern bestattet wurden. Spätere literarische Quellen und ethnografische Studien belegen eine soziale Position von Schmieden am Rand oder außerhalb der Gemeinschaft. Veränderungen innerhalb dieser Grabsitten dürften im Kontext mit dem Wechsel des Eisens vom Prestigeobjekt zum Gebrauchswerkstoff stehen. ### Landeserschließung des Thüringer Beckens in der Merowingerzeit hinsichtlich der naturräumlichen Standortwahl sowie der Bodenverhältnisse von Armin Volkmann (Calau): Die Region des Thüringer Beckens eignet sich aufgrund des recht guten Forschungsstandes besonders gut für siedlungsarchäologische Studien. Es deutet sich im Untersuchungsgebiet eine ununterbrochene Besiedlungstätigkeit von der Römischen Kaiserzeit bis hin zum Hochmittelalter an. Diese Siedlungsentwicklungen sind jedoch nicht linear zu sehen und unterliegen einigen Schwankungsphasen mit verminderter oder verstärkter Siedlungsanlage, die sich im Fundniederschag bemerkbar machen. Die spätvölkerwanderungszeitlichen-frühmittelalterlichen Besiedlungsvorgänge sind nur skizzenhaft anhand der wenigen schriftlichen Quellen erschließbar. Die archäologische Fundstellenauswertung verdeutlicht eine Veränderung der Besiedlungsstruktur, mit zuvor „streuenden“, oft nur ein bis zwei Generationen genutzten Siedlungen der älteren Merowingerzeit, hin zu länger bestehenden Dorfstellen. Es ist von einer weitgehenden Stagnation der Bevölkerungsanzahl auszugehen. In der jüngeren Merowingerzeit wurden zielgerichtet die Regionen mit den besten Böden und naturräumlichem Potential erschlossen. Fast alle Siedlungen im Bereich von Böden minderer Güte wurden im Verlauf der jüngeren Merowingerzeit aufgegeben. Eine Ausnahme bilden die Siedlungen, die an strategisch oder verkehrstechnisch günstig gelegenen Standorten errichtet wurden. In diesen zentralen Orten (oft mit Burg und Marktplatz) war die Bodengüte nicht ausschlaggebend für das Weiterbestehen der Siedlungsstelle, da ihre wirtschaftliche Grundlage nicht auf Ackerbau und Viehzucht beruhte. Die flächenhafte Landeserschließung des Thüringer Beckens in der Merowingerzeit hatte das Entstehen kontinuierlicher Dorfstellen zur Folge und war eine Grundlage der heute bestehenden Kulturlandschaft. ### Zum Nachweis von „Fremden“ im archäologischen Befund von Axel Pollex (Berlin), Przemys?aw Sikora (Tübingen) & Kurt W. Alt (Mainz): Fremdheit ist ein überaus komplexes Phänomen, das in den Geisteswissenschaften eine zunehmende Popularität erfahren hat. In der Archäologie wird der Nachweis von „Fremden“ über Indizienbeweise unterschiedlicher Plausibilität geführt. Die Wahrscheinlichkeit derartiger Verfahren steigt mit der Anzahl voneinander unabhängiger Indizien. Die räumliche Verteilung von Bestattungen mit Sonderorientierung im heutigen Weißrussland, die häufig im Grenzgebiet zwischen verschiedenen Stämmen liegen, legt den Verdacht nahe, dass es sich um Bestattungen von 'Fremden' handelt. Im Analogieschluss konnten in der nördlichen Germania Slavica Bestattungen identifiziert werden, die den für Weißrussland aufgestellten Kriterien entsprechen. Hier wurde für einen Bestattungsplatz eine Verwandtschaftsanalyse durchgeführt, welche die aufgestellte These in einem Fall exemplarisch bestätigt. Welche Form von Fremdheit mit der unterschiedlichen Orientierung der Toten allerdings ausgedrückt werden sollte – religiöse, kulturelle, soziale, rechtliche usw. – lässt sich nicht ermitteln. Aufgrund des fragilen Indizienbeweises sind weitere Verwandtschaftsanalysen zur Bestätigung der hier aufgestellten These erforderlich.

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