Band 27: Ausgrabungen im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2011/2012

16,50 

Das Niveau der Ausgrabungen 2011 und 2012 lag vergleichsweise niedrig. Zwei große Grabungsprojekte fanden nämlich direkt im Tagebau statt, in etwa 20 Meter Tiefe auf der Arbeitsebene des Vorschnittbaggers. Zwischen ihnen liegen sage und schreibe 130.000 Jahre.

Im Tagebau Jänschwalde wurden Jagd- und Schlachtplätze des frühen Neandertalers vom Ende der Saale-Eiszeit mit Knochen vom Bison, Elch und Pferd sowie Feuersteinartefakte entdeckt. Das ist der bisher früheste Nachweis für den Aufenthalt des Menschen in Brandenburg. Dahingegen archäologisch sehr jung, dennoch bereits in die Zeit unserer Urgroßeltern gehört der vom Tagebau Welzow-Süd aufgeschlossene Braunkohlentiefbau. Unter Tage entstandene Schächte, Strecken und Bruchkammern der Grube „Mariannensglück“ kamen hier ans Tageslicht und wurden montanarchäologisch untersucht.

So unterschiedlich beide Projekte auch sind, sie erforderten bei ihren riesigen Dimensionen völlig neue Herangehensweisen und Methoden. Abgesehen von ihrer kulturhistorischen Bedeutung war die Situation dieser Ausgrabungen äußerst beeindruckend. Während wir uns im Tagebau Jänschwalde unter den Sedimenten zweier Warmzeiten und einer Kaltzeit auf dem Niveau einer förmlich untergegangenen Welt bewegen, wird in Welzow bei mitunter gleißendem Sonnenlicht dokumentiert, was die Bergleute damals nur im Schein ihrer Öl- oder Karbidlampe sahen.

Neben einem für Klimaforschungen beprobten Wald unter Schwemmsanden der Spree, einem schurkeramischen Hügelgrab, bronzezeitlichen Siedlungen und vielem anderen mehr bildeten frühe Äcker einen weiteren Schwerpunkt der beiden Grabungsjahre. Nach der Lektüre dieses Buches wird einem klar, dass die ganze Niederlausitz und eben auch so mancher Wald wortwörtlich schon einmal „umgepflügt“ wurde. Viele alte Äcker liegen unter Sanddünen, die die Bauern mit ihren großflächigen Rodungen im Mittelalter selbst verursacht haben.

Inhaltsverzeichnis:

E. Böhnisch:
• Versunkene Welt der Altsteinzeit und Tiefbau über Tage – Einführung zum Archäologie-Report 2011/12

E. Böhnisch & M. Schneider:
• Neandertaler in der Niederlausitz. Ausgrabungen auf dem ältesten Fundplatz des Landes Brandenburg

M. Schneider:
• Bedingungen und Methoden der archäologisch-paläontologischen Grabungen im Eem

K.-P. Wechler:
• Silexartefakte vom Bereich des spätsaalezeitlichen Pferdeskeletts aus Jänschwalde

K.-U. Heußner:
• Gebrauchsspuren an zwei Artefakten aus den spätsaalezeitlichen Schichten von Jänschwalde

R. Kühner:
• Entstehung, Schichtenfolge und Lagerungsverhältnisse des Eem-Vorkommens Jänschwalde

A. Kossler:
• Pflanzenreste aus den saalespätglazialen Sanddorn-Schichten des Tagebaus Jänschwalde – Paläoumwelt des Neandertalers

I. Raufuß:
• Ökosysteme durch vermeintlich nicht signifikante Wirbeltierfunde aus Jänschwalde. Faunenwandel am Übergang von der Saale-Kaltzeit zur Eem-Warmzeit

F. Chaput:
• Ein Pferd aus dem Saalespätglazial von Jänschwalde

G. Bigga:
• Die Untersuchung des Holzes aus dem Eem von Jänschwalde

D. Schulz:
• Vom Dryas-Wald bis zur bronzezeitlichen Ackerflur. Grabungen am zukünftigen Ufer des Cottbuser Ostsees

B. Renner:
• Ein Wald vom Ende der letzten Eiszeit – Dissenchen 18

H. Pieper & G. Helle:
• Beitrag zur Klimavariabilität am Beginn des Jüngeren Dryas unter Verwendung jährlich aufgelöster stabiler Isotope der Cottbuser Jahrringchronologien

R. Kühner:
• Holzreste aus dem spätweichselzeitlichen Schwemmfächer der Spree nördlich Cottbus und seine geologische Entwicklung

S. Jahns:
• Pollenanalytische Untersuchungen an einem Bodenprofil aus dem Dryas-Wald am Tagebau Cottbus-Nord

D. Hertel & B. Schuldt:
• Holzanatomische Untersuchungen der hydraulischen Leitfähigkeit fossiler Birken und Kiefern der Jüngeren Dryas von Dessinchen 18

A. Nicolay & A. Raab:
• Sedimentabfolge und -merkmale eines Aufschlusses der Dryas-Fundstelle Dissenchen 18

A. Kossler:
• Datierungsfragen und paläoökologische Rekonstruktion des Weichselspätglazials am Beispiel des Paddenluchs bei Rüdersdorf

K. Müller:
• Ein mesolithischer Lagerplatz am Tagebau Cottbus-Nord

K.-P. Welcher:
• Schnurkeramik an der Donau. Ein Grabhügel bei Neuendorf, Stadt Cottbus

K. Müller:
• Vom Hang gerutscht. Mesolithische, neolithische und bronzezeitliche Funde am Rand der Grießen-Hornoer Hochfläche

B. Renner:
• Dissenchen 17 – eine kleine bronzezeitliche Grabgruppe?

K. Müller:
• Kreuz und quer. Ein jungbronzezeitlicher Acker bei Merzdorf

K. Müller:
• Neue Fundplätze entlang der Kohleverbindungsbahn

M. Schneider:
• Ausgarbungen an den Grießener „Seen“

U. Grünwald:
• Neben der Spur – Neues zur Zuckerstraße

U. Grünwald:
• Mittelalterliche Ackersysteme auf der Gemarkung Grießen

A. Nicolay, A. Raab & T. Raab:
• Die Bödenb im Tagebauvorfeld Jänschwalde – Ergebnisse bodenkundlich-geomorphologischer Untersuchungen

U. Grünwald:
• Felder unter den Weißen Bergen. Überdünte mittelalterliche Ackerflur der Gemarkung Gosda an der Zuckerstraße

B. Renner:
• Mittelalterliche Ackerrelikte bei Dissenchen

B. Renner:
• Eine Testfläche zur Munitionsfreiheit. Ausgrabungen auf Gut Geisendorf

K. Müller:
• Reparaturbedürftig – eine Holzbrücke über den Hammergraben bei Neuendorf

E. Böhnisch. U. Grünwald & K. Männig:
• Montanarchäologie des Braunkohlentiefbaus im Tagebau Welzow-Süd

Ausgrabungen und Funde im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2011 und 2012

Gewicht 1627 g
Bestellnr

2-32-27

Produktgruppe

Verkaufsprogramm

Reihe

Archäologie Brandenburg

Hauptgruppe

Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg

Untergruppe

Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg

ISBN
KurzbezTitel

Band 27: Ausgrabungen im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2011/2012

Autor

Hrsg. Franz Schopper, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

Erscheinungsjahr

Wünsdorf 2014

TechnischeAbgaben

366 Seiten mit 33 Beiträge zum Stand der Forschung, ca. 400 Farbabbildungen, Karten und Pläne, Klappbroschur, Format A4

Inhalt

Das Niveau der Ausgrabungen 2011 und 2012 lag vergleichsweise niedrig. Zwei große Grabungsprojekte fanden nämlich direkt im Tagebau statt, in etwa 20 Meter Tiefe auf der Arbeitsebene des Vorschnittbaggers. Zwischen ihnen liegen sage und schreibe 130.000 Jahre. Im Tagebau Jänschwalde wurden Jagd- und Schlachtplätze des frühen Neandertalers vom Ende der Saale-Eiszeit mit Knochen vom Bison, Elch und Pferd sowie Feuersteinartefakte entdeckt. Das ist der bisher früheste Nachweis für den Aufenthalt des Menschen in Brandenburg. Dahingegen archäologisch sehr jung, dennoch bereits in die Zeit unserer Urgroßeltern gehört der vom Tagebau Welzow-Süd aufgeschlossene Braunkohlentiefbau. Unter Tage entstandene Schächte, Strecken und Bruchkammern der Grube „Mariannensglück“ kamen hier ans Tageslicht und wurden montanarchäologisch untersucht. So unterschiedlich beide Projekte auch sind, sie erforderten bei ihren riesigen Dimensionen völlig neue Herangehensweisen und Methoden. Abgesehen von ihrer kulturhistorischen Bedeutung war die Situation dieser Ausgrabungen äußerst beeindruckend. Während wir uns im Tagebau Jänschwalde unter den Sedimenten zweier Warmzeiten und einer Kaltzeit auf dem Niveau einer förmlich untergegangenen Welt bewegen, wird in Welzow bei mitunter gleißendem Sonnenlicht dokumentiert, was die Bergleute damals nur im Schein ihrer Öl- oder Karbidlampe sahen. Neben einem für Klimaforschungen beprobten Wald unter Schwemmsanden der Spree, einem schurkeramischen Hügelgrab, bronzezeitlichen Siedlungen und vielem anderen mehr bildeten frühe Äcker einen weiteren Schwerpunkt der beiden Grabungsjahre. Nach der Lektüre dieses Buches wird einem klar, dass die ganze Niederlausitz und eben auch so mancher Wald wortwörtlich schon einmal „umgepflügt“ wurde. Viele alte Äcker liegen unter Sanddünen, die die Bauern mit ihren großflächigen Rodungen im Mittelalter selbst verursacht haben. Inhaltsverzeichnis: E. Böhnisch: • Versunkene Welt der Altsteinzeit und Tiefbau über Tage – Einführung zum Archäologie-Report 2011/12 E. Böhnisch & M. Schneider: • Neandertaler in der Niederlausitz. Ausgrabungen auf dem ältesten Fundplatz des Landes Brandenburg M. Schneider: • Bedingungen und Methoden der archäologisch-paläontologischen Grabungen im Eem K.-P. Wechler: • Silexartefakte vom Bereich des spätsaalezeitlichen Pferdeskeletts aus Jänschwalde K.-U. Heußner: • Gebrauchsspuren an zwei Artefakten aus den spätsaalezeitlichen Schichten von Jänschwalde R. Kühner: • Entstehung, Schichtenfolge und Lagerungsverhältnisse des Eem-Vorkommens Jänschwalde A. Kossler: • Pflanzenreste aus den saalespätglazialen Sanddorn-Schichten des Tagebaus Jänschwalde – Paläoumwelt des Neandertalers I. Raufuß: • Ökosysteme durch vermeintlich nicht signifikante Wirbeltierfunde aus Jänschwalde. Faunenwandel am Übergang von der Saale-Kaltzeit zur Eem-Warmzeit F. Chaput: • Ein Pferd aus dem Saalespätglazial von Jänschwalde G. Bigga: • Die Untersuchung des Holzes aus dem Eem von Jänschwalde D. Schulz: • Vom Dryas-Wald bis zur bronzezeitlichen Ackerflur. Grabungen am zukünftigen Ufer des Cottbuser Ostsees B. Renner: • Ein Wald vom Ende der letzten Eiszeit – Dissenchen 18 H. Pieper & G. Helle: • Beitrag zur Klimavariabilität am Beginn des Jüngeren Dryas unter Verwendung jährlich aufgelöster stabiler Isotope der Cottbuser Jahrringchronologien R. Kühner: • Holzreste aus dem spätweichselzeitlichen Schwemmfächer der Spree nördlich Cottbus und seine geologische Entwicklung S. Jahns: • Pollenanalytische Untersuchungen an einem Bodenprofil aus dem Dryas-Wald am Tagebau Cottbus-Nord D. Hertel & B. Schuldt: • Holzanatomische Untersuchungen der hydraulischen Leitfähigkeit fossiler Birken und Kiefern der Jüngeren Dryas von Dessinchen 18 A. Nicolay & A. Raab: • Sedimentabfolge und -merkmale eines Aufschlusses der Dryas-Fundstelle Dissenchen 18 A. Kossler: • Datierungsfragen und paläoökologische Rekonstruktion des Weichselspätglazials am Beispiel des Paddenluchs bei Rüdersdorf K. Müller: • Ein mesolithischer Lagerplatz am Tagebau Cottbus-Nord K.-P. Welcher: • Schnurkeramik an der Donau. Ein Grabhügel bei Neuendorf, Stadt Cottbus K. Müller: • Vom Hang gerutscht. Mesolithische, neolithische und bronzezeitliche Funde am Rand der Grießen-Hornoer Hochfläche B. Renner: • Dissenchen 17 – eine kleine bronzezeitliche Grabgruppe? K. Müller: • Kreuz und quer. Ein jungbronzezeitlicher Acker bei Merzdorf K. Müller: • Neue Fundplätze entlang der Kohleverbindungsbahn M. Schneider: • Ausgarbungen an den Grießener „Seen“ U. Grünwald: • Neben der Spur – Neues zur Zuckerstraße U. Grünwald: • Mittelalterliche Ackersysteme auf der Gemarkung Grießen A. Nicolay, A. Raab & T. Raab: • Die Bödenb im Tagebauvorfeld Jänschwalde – Ergebnisse bodenkundlich-geomorphologischer Untersuchungen U. Grünwald: • Felder unter den Weißen Bergen. Überdünte mittelalterliche Ackerflur der Gemarkung Gosda an der Zuckerstraße B. Renner: • Mittelalterliche Ackerrelikte bei Dissenchen B. Renner: • Eine Testfläche zur Munitionsfreiheit. Ausgrabungen auf Gut Geisendorf K. Müller: • Reparaturbedürftig – eine Holzbrücke über den Hammergraben bei Neuendorf E. Böhnisch. U. Grünwald & K. Männig: • Montanarchäologie des Braunkohlentiefbaus im Tagebau Welzow-Süd Ausgrabungen und Funde im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2011 und 2012

Besonderheiten