Band 15: Kelleranlagen in Wittenberg. Form, Konstruktion und Material unterirdischer Bausubstanz vom Spätmittelalter bis in das 19. Jahrhundert und ihre Aussagen zur Stadtgeschichte

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“Heute zu Tage findet man gleichwohl schöne, große von Stein und Kalk zum Teil zierliche und bequeme Häuser von 3 bis 4 Stockwerke hoch [ … ] Bei diesen meisten findet man große Höfe, luftige Gärten, räumliche und tiefe Keller und große und sichere Brauhauser.«!
Der Wittenberger Theologe Andreas Charitius lobte so das Erscheinungsbild der Stadt in seiner um 1730 verfassten Chronica. Die ausdrückliche Nennung der geräumigen Keller als Qualitätsmerkmal der Bebauung, gleichrangig neben den Wohn- und Brauhäusern, Höfen und Gärten, unterstreicht die Wertschätzung, die diesem Gebäudeteil zu Beginn des 18. Jahrhunderts entgegengebracht wurde. Tatsächlich ist für die Bevölkerung einer mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt die Bedeutung von Kelleranlagen nicht hoch genug einzuschätzen. Im herrschaftlichhöfischen Zusammenhang gleichermaßen wie im bürgerlichen Haushalt diente ein Keller als kühler Lagerraum der Sicherstellung der Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken. Gleichzeitig galt ein aus Natur- oder Backstein errichteter und gewölbter Kellerraum mit einer aus Eisen bestehenden oder zumindest mit Eisen beschlagenen Holztür als ein brand- und einbruchssicherer Raum. Dieser Sicherheitsaspekt war in Anbetracht der überwiegend aus brennbaren Materialien bestehenden mittelalterlichen und früh neuzeitlichen Städte, der bekanntermaßen zahlreichen und oft verheerenden Stadtbrände sowie der Verwüstungen, die mit den genauso häufigen Kriegen und Belagerungen einhergingen, ebenfalls von großer Wichtigkeit.”
Die archäologischen Untersuchungen von Fundament- und Kellerresten in Stadtkernen mittelalterlichen Ursprungs liefern seit vielen Jahren wichtige Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der jeweiligen Stadt und darüber hinaus zur Entwicklung des Hausbaus und der Wohnkultur.” Jedoch sind Grabungen innerhalb der Stadtkerne oft auf einzelne brach liegende und durch Abrisse freiwerdende Grundstücke oder auf die begleitend zu Kanal- und Trassenarbeiten eng begrenzten Flächen beschränkt.
Ein anderes Instrument, das sich ebenfalls mit den unterirdischen baulichen Strukturen einer Stadt beschäftigt, ist die systematische Erfassung der Kelleranlagen, das sogenannte Kellerkataster. In Orten mit einem mittelalterlichen Ursprung ist oft in den noch genutzten Kellern – unter bestehenden Gebäuden – Bausubstanz aus mehreren Zeitschichten vorhanden, die zudem deutlich älter als die obertägig erhaltenen Gebäude sein kann. Die Dokumentation und Bewertung dieser Kellerbauwerke vermag folglich ebenfalls wichtige Erkenntnisse zur jeweiligen Stadt- und Bauentwicklung beizutragen und bietet bei einer möglichst flächendeckenden Bearbeitung zudem die Möglichkeit, die Befunde ganzer Innenstädte oder Stadtteile unabhängig von heutigen Grundstücksgrenzen im Überblick auszuwerten. Darüber hinaus trägt die bessere Kenntnis dieser ansonsten unsichtbaren Bausubstanz zu einer höheren Wertschätzung derselben bei und schafft damit eine wichtige Voraussetzung für deren Erhalt.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

EINLEITUNG
• Räumliche und zeitliche Eingrenzung des Forschungsgegenstands
• Forschungsstand und Forschungsziele
• Forschungsprojekt »Das ernestinische Wittenberg«
• Methoden und Quellen

ERSCHEINUNGSBILD UND GRUNDRISS DER STADT: VORAUSSETZUNGEN UND ENTWICKLUNG
• Lage der Stadt
• Stadtstruktur: Straßen, Plätze und Viertel
• Zur Stadt- und Stadtbaugeschichte
• Naturräumliche Lage und Versorgung mit Baumaterialien

KELLER ALS FORSCHUNGSOBJEKT
• Aspekte der Nutzung allgemein
• Kellerkataster: Forschungsgeschichte und Forschungsziele

KELLER IN WITTENBERG: FORM, MATERIAL UND KONSTRUKTION
• Kellerformen und -typen
• Material und Konstruktion
• Öffnungen und Nischen in Wänden und Gewölben

KELLER IN WITTENBERG: BEZUG ZUM GRUNDSTÜCK UND ZUR BEBAUUNG
• Erschließung der Kelleranlagen
• Kelleranlagen und Grundstücksgrenzen
• Die Ausrichtung der Kellerräume auf dem Grundstück und unter der Bebauung

KELLER IN WITTENBERG: GROß- UND SONDERBAUTEN
• Schloss
• Rathaus
• Augusteum und Lutherhaus
• Einordnung der Keller der Sonderbauten in die Kellerlandschaft in Wittenberg

KELLER IN WITTENBERG: NUTZUNG
• Häuslich oder gewerblich genutzte Keller
• Kombinierter Vorrats- und Lagerkeller
• Lagerkeller für Bier
• Keller öffentlicher Nutzung: Kauf- und Schankkeller
• Werkstattkeller

KELLER IN WITTENBERG: ZEITLICHE EINORDNUNG
• Spätmittelalterliche Keller
• Keller zwischen 1490 und dem Ende des 16. Jahrhunderts
• Keller vom 17. Jahrhundert bis 1763
• Keller zwischen 1764 und Mitte des 19. Jahrhunderts

KELLER IN WITTENBERG: AUSSAGEN ZUR STADTGESCHICHTE

ZUSAMMENFASSUNG
• Ergebnisse der Kellerforschung in Wittenberg
• Wittenberger Kellerkataster und -landschaft im Vergleich
• Ein Kellerkataster für Wittenberg: sein Wert für die Bauforschung und die Denkmalpflege

ANHANG
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Verzeichnis der ungedruckten Quellen und Berichte

KATALOG

Abbildungen

Gewicht 2755 g
Größe 30 × 25 cm
Bestellnr

4-12-15

Reihe

Archäologie Sachsen-Anhalt

ISBN

978-3-948618-07-0

KurzbezTitel

Band 15: Kelleranlagen in Wittenberg. – Form, Konstruktion und Material unterirdischer Bausubstanz vom Spätmittelalter bis in das 19. Jahrhundert und ihre Aussagen zur Stadtgeschichte

Autor

Antonia Brauchle – Hrsg. Elisabeth Rüber-Schütte – Veröffentlichung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Erscheinungsjahr

Halle (Saale) 2020

Technische Angaben

476 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen und Pläne, 4 Beilagen, Format 30,5 x 24,5 cm, Festeinband