Band 44: Die frühmittelalterliche Saline von Soest im europäischen Kontext

24,50 

1979 lenkte die Baudenkmalpflege den Blick der Archäologen auf ein als Parkplatz genutztes Areal in der Nähe des großen Teichs in Soest mit der Bitte, die historischen Siedlungsstrukturen dieses Bereichs zu erforschen. Man erhoffte sich durch eine archäologische Untersuchung älterer Gebäudestrukturen bauliche Gliederungselemente für den an dieser Stelle geplanten Kaufhausneubau zu gewinnen. Es sollte anders kommen. Was 1980 mit einer Probesondierung begann, entwickelte sich in den nächsten zwei Jahren zu einem Unternehmen, das selbst erfahrene Archäologen zu dem Etikett -Außergewöhnlich- greifen ließ.
Obwohl die historische Überlieferung und hydrologische Gutachten die Existenz einer Saline auf dem fraglichen Areal äußerst kontrovers beurteilen ließen, zeigten sich schon knapp unterhalb der Parkplatzdecke Spuren einer Salzproduktionsstätte, die keineswegs nur für den Hausgebrauch, sondern in größerem Umfang für den Handel produziert zu haben schien. Eine kleinteilige, sehr unregelmäßige Stratigraphie, erschwert noch durch ortsnahe Bombeneinschläge im Zweiten Weltkrieg und immer wieder aufsteigendes Grundwasser, stellten an die Grabungstechnik hohe Anforderungen.
Problematischer aber erschien zunächst, dass traditionelle Datierungsmittel völlig fehlten, um die Befunde zeitlich einzuordnen. Erst Hölzer in tieferen Schichten nährten die Hoffnung, die Saline zeitlich ansprechen zu können. Da es sich jedoch um Eichen aus feuchtem Auegrund handelte, bedurfte es eines dendrochronologischen Sonderprogramms, die Soester Salzgewinnung dem Frühen Mittelalter zuordnen zu können, wobei allerdings das Ende wie die Anfänge der Salzproduktion im Dunkeln blieben. Das erstere war dem Bagger bei Planierarbeiten des frühen 20.Jahrhunderts zum Opfer gefallen, die letzteren blieben im Grundwasser verborgen – immerhin zeigten sich noch 2,00 m unter der Grabungssohle Salinenbefunde, wie Bohrkerne bei der Gründung des Kaufhausneubaus ans Tageslicht brachten.
Obwohl allen Beteiligten klar war, dass der freigelegte Befund eine völlig überraschende, wirtschaftsgeschichtlich für Soest und den gesamten Hellwegraum höchst bedeutende Aussage enthielt, war es ein Riesenrad, das zum Abbruch des Unternehmens führte, sodass dessen Fortsetzung zukünftigen Generationen überlassen werden musste. Denn es wurde verlangt, jeweils zur traditionellen Soester Allerheiligenkirmes den Grabungsschnitt professionell zu verfüllen, damit das Riesenrad an seiner bis zum Kaufhausneubau vertraglich zugesicherten Stelle ungefährdet seinen Betrieb durchführen konnte. Damit wurde die Untersuchung auf Dauer unbezahlbar.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort der Herausgeberin

Vorwort der Autorin

EINLEITUNG

GEOWISSENSCHAFTLICHE GRUNDLAGEN UND ROHSTOFFVORKOMMEN IN UND UM SOEST
Geologische Situation in und um Soest
Erzlagerstätten im Sauerland
Hydrogeologische Situation
Topographische Lage und Morphologie

ARCHÄOLOGISCHE UND HISTORISCHE SITUATION IN SOEST UND UMGEBUNG

DIE SALINENGRABUNG SOEST KOHLBRINK
Überblick
Dokumentationslage
Befunde ohne Salinenzusammenhang
• Aufliegende Schichten
• Tiefgreifende Störungen
Salinenbefunde
Relevante Befunde in den Profilen
• O- W- Profil des Schnittes 1 von 1980, Tafel 64-67
• W-O-Profil des Schnittes 1 von 1981, Tafel 67, 68
• S-N-Profil der Schnitte 3 und 4, Tafel 74-77
• N-S-Profil des Schnittes 2, Tafel 69-71
• N-S-Profil der Osterweiterung des Schnittes 2 1982, Tafel 72, 73
• W-O-Profil der Schnitte 4 und 2 von 1981, Tafel 78, 79
Relevante Befunde in den Plana
• Südhälfte
• Nordhälfte
• Öfen – Bestimmung von Ofenklassen
• Öfen – allgemeine Beschreibung und Merkmale
• Ofengruppen
• Verteilung der Hölzer im Grabungsgelände
• Wege und Stege
• Becken und Leitungen
Zusammenfassung zur Salinengrabung Soest Kohlbrink
• Funde aus den Salinenschichten
• Keramik
• Hölzer
• Blei
• Sonstige Metalle
• Verschiedene Materialproben
Datierung
• Relevante Fundkomplexe
• 14C-Datierung
• Dendrochronologische Datierung

VERGLEICHE UND MÖGLICHE ENTWICKLUNGSLINIEN ZU DEN SALZSIEDEÖFEN VON SOEST KOHLBRINK

VERGLEICHE ZU DEN BLEIFUNDEN
Herkunft des Bleis
Beispiele für vormittelalterliche Bleigewinnung
• Eifel und Bergisches Land
• Frühe Bleierzgewinnung und Bleiproduktion im Harz und weitere Beispiele
• Das britische Modell der römischen Einflussnahme auf die Bleiproduktion
Zusammenfassung

SIEDEGEFÄßE AUS TON UND METALL- ENTWICKLUNG UND VERBREITUNG
Tongefäße
• Forschungsgeschichte und -situation
• Vergleich der Tongefäße
• Auswertung
• Fragestellung
• Der Fundkomplex Werl Erbsälzerstraße, ein erster Überblick
Metallgefäße
• Forschungssituation
• Bleipfannenreste aus der Saline Soest Kohlbrink
• Siedepfannen aus Deutschland
• Bleipfannen auf dem europäischen Kontinent
• Siedepfannen aus Großbritannien
• Herstellung von Bleipfannen
• Zusammenfassung

SALZSIEDERWERKSTÄTTEN IM VERGLEICH

DIE ENTWICKLUNG DER SIEDESALZPRODUKTION IN ENGLAND BIS ZUM MITTELALTER
Bronzezeitliche Salzproduktion in England
Eisenzeitliche Salzproduktion in England
• Frühe und Mittlere Eisenzeit
• Späte Eisenzeit – Red Hills
• Einbindung der eisenzeitlichen Salzsiedetradition in den kontinentaleuropäischen Kontext
Römische Salzproduktion an Englands Küsten
Salzproduktion im englischen Inland
• Droitwich, Worcestershire
• Nantwich, Cheshire
• Middlewich, Cheshire
• onhwich, Cheshire
• Shavington, Cheshire
• Ergebnisse
Salzproduktion in England in nachrömischer Zeit
Zusammenfassung zur Entwicklung der Siedesalzproduktion in England und ihrer Bedeutung für die kontinentaleuropäische Forschung

ZUSAMMENSCHAU DER TECHNISCHEN ELEMENTE DER SALINE VON SOEST

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ANTIKE UND HISTORISCHE QUELLEN
Aussehen und Material von Pfannen
Vorteile und Nachteile von Bleipfannen
Salzproduktion zwischen römischer Zeit und Mittelalter
Nutzungsmöglichkeiten von Töpfen mit Loch
Nutzungsmöglichkeit von Pfannen außerhalb einer Saline
Vorkommen von Salinen in bestimmten Regionen
Die Wertschätzung von Salz
Möglichkeiten, Salz aus Sole herzustellen
Schenkungen

KATALOGE
Konkordanzlisten
• Befundnummern zu Fundnummern
• Fundnummern zu Nummern der Materialproben und umgekehrt
• Fundnummern zu Probennummern der Bleianalysen und umgekehrt
• Holzprobennummern zu Fundnummern und Befundnummern
Befundkatalog
Ofenkatalog
Fundkatalog
Liste der Hölzer
Holzproben 1984
Liste der Bleifunde
Liste der untersuchten Materialproben
Pfannenkatalog

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

GUTACHTEN

TAFELN
Grabungsfläche und Schnitte (Taf. 1-16)
Relevante Fundkomplexe (Taf. 17-23)
Bleifunde (Taf. 24-27)
Materialproben (Taf. 28-35)
Briquetagegefäße (Taf. 36-44)
Siedepfannen (Taf.45-63)

Im Schuber: Profilzeichnungen (Taf. 64-79)
Im Schuber: Flächenzeichnungen (Taf. 80-114)
Im Schuber: Detailzeichnungen (Taf. 115-122)
Im Schuber: Überblickspläne (Taf. 123-133)
Im Schuber: Liste der Öfen und ihrer Merkmale (Taf. 134)

Gewicht 4189 g
Bestellnr

7-1-44

Produktgruppe

Verlagsprogramm

Reihe

Archäologie Westfalen

Hauptgruppe

Bodenaltertümer Westfalens

Untergruppe

Bodenaltertümer Westfalens

ISBN
KurzbezTitel

Band 44: Die frühmittelalterliche Saline von Soest im europäischen Kontext

Autor

Susanne Jülich — Herausgeber: Gabriele Isenberg – Landschaftsverband Westfalen-Lippe / Münster

Erscheinungsjahr

Münster 2007

TechnischeAbgaben

Bestehend aus Textband und Schuber, 31 x 22, 2 x 7, 2 cm, Festeinband Textband: 527 Seiten mit 70 Abbildungen und Tafeln 1-63 Tafeln; Schuber: Tafeln 64-133

Inhalt

1979 lenkte die Baudenkmalpflege den Blick der Archäologen auf ein als Parkplatz genutztes Areal in der Nähe des großen Teichs in Soest mit der Bitte, die historischen Siedlungsstrukturen dieses Bereichs zu erforschen. Man erhoffte sich durch eine archäologische Untersuchung älterer Gebäudestrukturen bauliche Gliederungselemente für den an dieser Stelle geplanten Kaufhausneubau zu gewinnen. Es sollte anders kommen. Was 1980 mit einer Probesondierung begann, entwickelte sich in den nächsten zwei Jahren zu einem Unternehmen, das selbst erfahrene Archäologen zu dem Etikett -Außergewöhnlich- greifen ließ. Obwohl die historische Überlieferung und hydrologische Gutachten die Existenz einer Saline auf dem fraglichen Areal äußerst kontrovers beurteilen ließen, zeigten sich schon knapp unterhalb der Parkplatzdecke Spuren einer Salzproduktionsstätte, die keineswegs nur für den Hausgebrauch, sondern in größerem Umfang für den Handel produziert zu haben schien. Eine kleinteilige, sehr unregelmäßige Stratigraphie, erschwert noch durch ortsnahe Bombeneinschläge im Zweiten Weltkrieg und immer wieder aufsteigendes Grundwasser, stellten an die Grabungstechnik hohe Anforderungen. Problematischer aber erschien zunächst, dass traditionelle Datierungsmittel völlig fehlten, um die Befunde zeitlich einzuordnen. Erst Hölzer in tieferen Schichten nährten die Hoffnung, die Saline zeitlich ansprechen zu können. Da es sich jedoch um Eichen aus feuchtem Auegrund handelte, bedurfte es eines dendrochronologischen Sonderprogramms, die Soester Salzgewinnung dem Frühen Mittelalter zuordnen zu können, wobei allerdings das Ende wie die Anfänge der Salzproduktion im Dunkeln blieben. Das erstere war dem Bagger bei Planierarbeiten des frühen 20.Jahrhunderts zum Opfer gefallen, die letzteren blieben im Grundwasser verborgen – immerhin zeigten sich noch 2, 00 m unter der Grabungssohle Salinenbefunde, wie Bohrkerne bei der Gründung des Kaufhausneubaus ans Tageslicht brachten. Obwohl allen Beteiligten klar war, dass der freigelegte Befund eine völlig überraschende, wirtschaftsgeschichtlich für Soest und den gesamten Hellwegraum höchst bedeutende Aussage enthielt, war es ein Riesenrad, das zum Abbruch des Unternehmens führte, sodass dessen Fortsetzung zukünftigen Generationen überlassen werden musste. Denn es wurde verlangt, jeweils zur traditionellen Soester Allerheiligenkirmes den Grabungsschnitt professionell zu verfüllen, damit das Riesenrad an seiner bis zum Kaufhausneubau vertraglich zugesicherten Stelle ungefährdet seinen Betrieb durchführen konnte. Damit wurde die Untersuchung auf Dauer unbezahlbar. Inhaltsverzeichnis: Vorwort der Herausgeberin Vorwort der Autorin EINLEITUNG GEOWISSENSCHAFTLICHE GRUNDLAGEN UND ROHSTOFFVORKOMMEN IN UND UM SOEST Geologische Situation in und um Soest Erzlagerstätten im Sauerland Hydrogeologische Situation Topographische Lage und Morphologie ARCHÄOLOGISCHE UND HISTORISCHE SITUATION IN SOEST UND UMGEBUNG DIE SALINENGRABUNG SOEST KOHLBRINK Überblick Dokumentationslage Befunde ohne Salinenzusammenhang • Aufliegende Schichten • Tiefgreifende Störungen Salinenbefunde Relevante Befunde in den Profilen • O- W- Profil des Schnittes 1 von 1980, Tafel 64-67 • W-O-Profil des Schnittes 1 von 1981, Tafel 67, 68 • S-N-Profil der Schnitte 3 und 4, Tafel 74-77 • N-S-Profil des Schnittes 2, Tafel 69-71 • N-S-Profil der Osterweiterung des Schnittes 2 1982, Tafel 72, 73 • W-O-Profil der Schnitte 4 und 2 von 1981, Tafel 78, 79 Relevante Befunde in den Plana • Südhälfte • Nordhälfte • Öfen – Bestimmung von Ofenklassen • Öfen – allgemeine Beschreibung und Merkmale • Ofengruppen • Verteilung der Hölzer im Grabungsgelände • Wege und Stege • Becken und Leitungen Zusammenfassung zur Salinengrabung Soest Kohlbrink • Funde aus den Salinenschichten • Keramik • Hölzer • Blei • Sonstige Metalle • Verschiedene Materialproben Datierung • Relevante Fundkomplexe • 14C-Datierung • Dendrochronologische Datierung VERGLEICHE UND MÖGLICHE ENTWICKLUNGSLINIEN ZU DEN SALZSIEDEÖFEN VON SOEST KOHLBRINK VERGLEICHE ZU DEN BLEIFUNDEN Herkunft des Bleis Beispiele für vormittelalterliche Bleigewinnung • Eifel und Bergisches Land • Frühe Bleierzgewinnung und Bleiproduktion im Harz und weitere Beispiele • Das britische Modell der römischen Einflussnahme auf die Bleiproduktion Zusammenfassung SIEDEGEFÄßE AUS TON UND METALL- ENTWICKLUNG UND VERBREITUNG Tongefäße • Forschungsgeschichte und -situation • Vergleich der Tongefäße • Auswertung • Fragestellung • Der Fundkomplex Werl Erbsälzerstraße, ein erster Überblick Metallgefäße • Forschungssituation • Bleipfannenreste aus der Saline Soest Kohlbrink • Siedepfannen aus Deutschland • Bleipfannen auf dem europäischen Kontinent • Siedepfannen aus Großbritannien • Herstellung von Bleipfannen • Zusammenfassung SALZSIEDERWERKSTÄTTEN IM VERGLEICH DIE ENTWICKLUNG DER SIEDESALZPRODUKTION IN ENGLAND BIS ZUM MITTELALTER Bronzezeitliche Salzproduktion in England Eisenzeitliche Salzproduktion in England • Frühe und Mittlere Eisenzeit • Späte Eisenzeit – Red Hills • Einbindung der eisenzeitlichen Salzsiedetradition in den kontinentaleuropäischen Kontext Römische Salzproduktion an Englands Küsten Salzproduktion im englischen Inland • Droitwich, Worcestershire • Nantwich, Cheshire • Middlewich, Cheshire • onhwich, Cheshire • Shavington, Cheshire • Ergebnisse Salzproduktion in England in nachrömischer Zeit Zusammenfassung zur Entwicklung der Siedesalzproduktion in England und ihrer Bedeutung für die kontinentaleuropäische Forschung ZUSAMMENSCHAU DER TECHNISCHEN ELEMENTE DER SALINE VON SOEST ZUSAMMENFASSUNG LITERATURVERZEICHNIS ANTIKE UND HISTORISCHE QUELLEN Aussehen und Material von Pfannen Vorteile und Nachteile von Bleipfannen Salzproduktion zwischen römischer Zeit und Mittelalter Nutzungsmöglichkeiten von Töpfen mit Loch Nutzungsmöglichkeit von Pfannen außerhalb einer Saline Vorkommen von Salinen in bestimmten Regionen Die Wertschätzung von Salz Möglichkeiten, Salz aus Sole herzustellen Schenkungen KATALOGE Konkordanzlisten • Befundnummern zu Fundnummern • Fundnummern zu Nummern der Materialproben und umgekehrt • Fundnummern zu Probennummern der Bleianalysen und umgekehrt • Holzprobennummern zu Fundnummern und Befundnummern Befundkatalog Ofenkatalog Fundkatalog Liste der Hölzer Holzproben 1984 Liste der Bleifunde Liste der untersuchten Materialproben Pfannenkatalog ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS GUTACHTEN TAFELN Grabungsfläche und Schnitte (Taf. 1-16) Relevante Fundkomplexe (Taf. 17-23) Bleifunde (Taf. 24-27) Materialproben (Taf. 28-35) Briquetagegefäße (Taf. 36-44) Siedepfannen (Taf.45-63) Im Schuber: Profilzeichnungen (Taf. 64-79) Im Schuber: Flächenzeichnungen (Taf. 80-114) Im Schuber: Detailzeichnungen (Taf. 115-122) Im Schuber: Überblickspläne (Taf. 123-133) Im Schuber: Liste der Öfen und ihrer Merkmale (Taf. 134)

Besonderheiten