Band 6: Goethes allerliebste Klytia – Metamorphosen einer Frauenbüste

7,00 

125 Jahre Archäologisches Museum am Universitätsplatz – eine eindrucksvolle Zahl! Als Carl Robert am 9. Dezember 1891 seine ‚Rede bei der Eröffnung des Archäologischen Museums der Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg‘ am Universitätsplatz hielt, schloss er mit der Bemerkung ‚Den wahren Dank müssen die Bildwerke selbst spenden … ‚, und damit meinte er nicht unsere relativ bescheidene Sammlung antiker Originale, sondern vielmehr die umfangreiche Gipsabguss-Sammlung antiker Skulpturen, die im neuen Museumsbau die Räume allein durch ihre Vielzahl und ihre raumgreifenden Formate dominierten. Diese Abgüsse antiker Kunstwerke sind es dann auch, die die wechselhaften Zeitläufte nur zu einem Teil unbeschadet überdauerten, was einer Vielzahl von historischen, ideologischen, aber auch simplen bürokratischen Gründen geschuldet ist. In diesem Jahr erlaubten es die pekuniären Möglichkeiten des Museums, den Abguss der Büste einer jungen Frau zu erwerben, deren Marmororiginal im British Museum in London gezeigt wird. Seit ihrem Auftauchen im späten 18. Jahrhundert war die sogenannte Klytia in ihrem auffälligen Blätterkelch vielgerühmt, beliebt und vielbesprochen. Abgüsse der Büste entfalteten eine bemerkenswerte Rezeptionsgeschichte, wie sie nur wenige Gipsabgüsse antiker Bildnisbüsten aufweisen können; fast möchte man meinen, sie überstrahlt sogar die des Marmororiginals in London. Goethe besaß sogar zwei Abgüsse, die er hoch schätzte. Doch um die Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Zweifel an der antiken Entstehung der Büste auf und in der Forschung ist bis heute umstritten, ob es sich um ein antikes Werk oder eine Arbeit des 18. Jahrhunderts handelt.
Unter anderem ist die Echtheit der Büste auf der Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner 1867 diskutiert worden, die in jenem Jahr in Halle stattfand. In der Diskussion waren die Meinungen geteilt und schwankend, ein moderner Ursprung der Büste wurde aber favorisiert. Der Kunsthändler Eichler aus Berlin überließ einen Abguss dem Archäologischen Museum als Geschenk. Dieser ging allerdings bereits früh verloren, im Museumsführer, den Carl Robert 1892 herausgegeben hat, ist er bereits nicht mehr aufgeführt. Mit dem Erwerb eines neuen Abgusses anlässlich einer Studioausstellung zum Museumsjubiläum und dem Aufgreifen der Diskussion um die Entstehungszeit der Büste schließt sich somit ein Kreis.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Charles Townley und die Büste der Klytia

Die Marmorbüste der Klytia in London – Benennung und Datierungsversuche

Ein Werk der Antike oder der Neuzeit?

Goethe und die beiden Gipsabgüsse der Klytia in seinem Besitz

Ovid, Goethe und die Metamorphosenlehre

Abbildungsverzeichnis

Gewicht 176 g
Größe 30 × 21 cm
Bestellnr

1-16-06

Produktgruppe

Verlagsprogramm

Reihe

Kunst- und Kirchengeschichte

Hauptgruppe

Kataloge und Schriften des Archäologischen Museums der Martin-Luther-Universität

Untergruppe

Kataloge und Schriften des Archäologischen Museums der Martin-Luther-Universität

ISBN

978-3-95741-046-7

KurzbezTitel

Band 6: Goethes allerliebste Klytia – Metamorphosen einer Frauenbüste

Autor

Stephan Lehmann

Erscheinungsjahr

Halle (Saale) 2016

TechnischeAbgaben

42 Seiten, 35 meist farbige Abbildungen, 21 x 25, 5 cm, Broschur

Inhalt

125 Jahre Archäologisches Museum am Universitätsplatz – eine eindrucksvolle Zahl! Als Carl Robert am 9. Dezember 1891 seine 'Rede bei der Eröffnung des Archäologischen Museums der Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg' am Universitätsplatz hielt, schloss er mit der Bemerkung 'Den wahren Dank müssen die Bildwerke selbst spenden … ', und damit meinte er nicht unsere relativ bescheidene Sammlung antiker Originale, sondern vielmehr die umfangreiche Gipsabguss-Sammlung antiker Skulpturen, die im neuen Museumsbau die Räume allein durch ihre Vielzahl und ihre raumgreifenden Formate dominierten. Diese Abgüsse antiker Kunstwerke sind es dann auch, die die wechselhaften Zeitläufte nur zu einem Teil unbeschadet überdauerten, was einer Vielzahl von historischen, ideologischen, aber auch simplen bürokratischen Gründen geschuldet ist. In diesem Jahr erlaubten es die pekuniären Möglichkeiten des Museums, den Abguss der Büste einer jungen Frau zu erwerben, deren Marmororiginal im British Museum in London gezeigt wird. Seit ihrem Auftauchen im späten 18. Jahrhundert war die sogenannte Klytia in ihrem auffälligen Blätterkelch vielgerühmt, beliebt und vielbesprochen. Abgüsse der Büste entfalteten eine bemerkenswerte Rezeptionsgeschichte, wie sie nur wenige Gipsabgüsse antiker Bildnisbüsten aufweisen können; fast möchte man meinen, sie überstrahlt sogar die des Marmororiginals in London. Goethe besaß sogar zwei Abgüsse, die er hoch schätzte. Doch um die Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Zweifel an der antiken Entstehung der Büste auf und in der Forschung ist bis heute umstritten, ob es sich um ein antikes Werk oder eine Arbeit des 18. Jahrhunderts handelt. Unter anderem ist die Echtheit der Büste auf der Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner 1867 diskutiert worden, die in jenem Jahr in Halle stattfand. In der Diskussion waren die Meinungen geteilt und schwankend, ein moderner Ursprung der Büste wurde aber favorisiert. Der Kunsthändler Eichler aus Berlin überließ einen Abguss dem Archäologischen Museum als Geschenk. Dieser ging allerdings bereits früh verloren, im Museumsführer, den Carl Robert 1892 herausgegeben hat, ist er bereits nicht mehr aufgeführt. Mit dem Erwerb eines neuen Abgusses anlässlich einer Studioausstellung zum Museumsjubiläum und dem Aufgreifen der Diskussion um die Entstehungszeit der Büste schließt sich somit ein Kreis. Inhaltsverzeichnis Vorwort Charles Townley und die Büste der Klytia Die Marmorbüste der Klytia in London – Benennung und Datierungsversuche Ein Werk der Antike oder der Neuzeit? Goethe und die beiden Gipsabgüsse der Klytia in seinem Besitz Ovid, Goethe und die Metamorphosenlehre Abbildungsverzeichnis

Besonderheiten